|
| 489 |
Auf Anordnung des Kaisers wird die nestorianische Schule von Edessa (in Syrien) geschlossen. Die Nestorianer (jene Christen, die der Menschlichkeit Christi im Verhältnis zu seiner Göttlichkeit höhere Bedeutung zumessen) suchen Zuflucht im persischen Nisibis. Dort errichten sie 498 mit Unterstützung des örtlichen Bischofs eine nestorianisch geprägte höhere Schule. Hier wird auch aristotelische Logik gelehrt und möglicherweise gibt es auch eine Ärzteschule. [Anmerkung: Wenn vor Karl dem Großen vom Kaiser die Rede ist, ist damit der byzantinische Kaiser gemeint, denn den westlichen Kaiser gibt es noch nicht.] |
| 500 |
Ca.: Aelle von Sussex wird als Bretwalda anerkannt (Ältester der Sachsenkönige). Ca.: Um diese Zeit ist der Dänenkönig Hrotgar aus dem Geschlecht der Scyldingas nachgewisen, der als eine Hauptfigur im Beowulf-Epos auftaucht. Ca.: Konstantinopel hat 300000 bis 500000 Einwohner, zum Vergleich: Tolosa hat nur 15000. Ca.: Blüte der Alchimistenschule von Alexandria, die von etwa 400 bis etwa 600 besteht. |
| 506 |
2. Februar: Alarich II., König der Westgoten erläßt in Tolosa (Toulouse) ein Gesetzeswerk namens 'Lex Romana Visigothorum', auch 'Breviarium Alaricianum' genannt. Es gilt für die im Westgotenreich lebenden früheren römischen Bürger und deren Nachkommen. Dieses Werk enthält vor allem Auszüge aus dem 'Codex Theodosianus' (vom Jahr 439), späteren Novellen dazu, den Institutionen des Gaius und dem 'Codex Gregorianus' (aus dem Jahre 294) und dem 'Codex Hermogenianus' (aus dem Jahr 295). Alarich II. ist durchaus nicht systhematisch katholikenfeindlich, wie ihm das von Gregor von Tours unterstellt wird. Das Breviarium läßt einige Üereinkünfte erkennen und vermuten, daß Chlodwig durchaus nicht von allen Bewohnern des Westgotenreiches als Befreier angesehen wird, wie Gregor behauptet. 10. September: Ein gallisches Landeskonzil soll zwischen der römisch- katholischen Mehrheit und der gotisch-arianischen Minderheit einen Ausgleich herbeiführen. |
| 507 |
Spätsommer: Auf den Vocladischen (Vogladensischen) Feldern (bei Vouill‚) werden die Westgoten von den Franken besiegt, König Alarich II. fällt, angeblich von Chlodwig eigenhändig erschlagen. Die zahlenmäßig unterlegenen Goten können die vielen fränkischen Fußkrieger nicht niederreiten und auch nicht irritieren. Es ist das Ende des Tolosanischen Reiches, jedoch nicht der Westgoten. In einem Brief Theoderichs an den Burgunderkönig Gundobad taucht erstmals der Begriff 'Burgundia' auf. |
| 508 |
Wahrscheinlich erst jetzt läßt sich Chlodwig in Reims von Bischof Remigius taufen (von Gregor von Tours, dessen Werk einem Schema von Fünfjahreszyklen folgt, nach 496 verlegt). 'Hin schritt zum Taufbad der neue Constantinus. (...?) Er wollte abspülen das Siechtum des alten Aussatzes und die lange getragenen schmutzigen Flecken mit frischem Naß.' [Gregor von Tours] Üer 3000 aus seinem Heer lassen sich (nach Gregor) ebenfalls taufen, ebenso seine heidnische Schwester Albofled und die arianische Lantechild. Die größte Masse der Franken ist jedoch noch heidnisch und die Arianer sind nur am Hof vertreten. Nach Gregor von Tours schickt Papst Anastasius (angeblich im Jahre 496) sogleich eine Gesandtschaft unter dem Priester Eumenius zum frisch getauften Chlodwig - die erste päpstliche Gesandtschaft zu den Franken. Chlodwig wird sogleich als Beschirmer der Kirche aufgerufen, denn er ist derzeit der einzige katholische Fürst der Welt. Hier taucht die erste bezeugte Regung der Kirche zur Katholisierung der übrigen Germanenvölker auf - durch handfeste weltliche Macht des Frankenkönigs, welcher in diesem Jahr vom Kaiser anerkannt wird. Genauer: Er wird zum Konsul und Patricius ernannt. |
| 511 |
Im Severin-Gedächtnis-Kloster zu Lucullananum bei Neapel verfaßt Abt Eugippius die 'Vita Sancti Severini'. 11. Juli: Chlodwig I. beruft die erste fränkische Kirchenversammlung nach Orleans, zu welcher 32 Bischöfe kommen. Die Kirchen der Arianer sollen diesen weggenommen und zu katholischen umgewidmet werden. Die lex salica wird veröffentlicht. Sie gilt für diejenigen Franken, die zwischen dem Kohlenwald und der Lys (heute Westbelgien) leben und regelt vor allem Rechte und Pflichten der Gefolgsleute sowie die Gleichbehandlung zwischen Franken und Galloromanen. Frauen sind von der Erbfolge im Grundbesitz ausgeschlossen. 27. November: Chlodwig I. (45) stirbt in Paris. Sein Reich wird gemäß dem salischen Erbrecht unter seinen vier Söhnen Theuderich, Chlodomer, Childebert und Chlothachar aufgeteilt - und zerfällt entsprechend, da er nicht für seine Nachfolge vorgesorgt hat. Theuderich (bis 534) ist der einzige frühe Merowinger, der in der Heldensage Spuren hinterlassen hat. |
| 512 |
Bischof Caesarius gründet in Arles ein Kloster. |
| 515 |
Theudebert, der Sohn des fränkischen Teilkönigs Theuderich von Metz (und der Tochter des Burgunderkönigs Sigimund, Enkelin Gundobads) wehrt einen Einfall 'dänischer' (!) Plünderer ab, welche die Maas hinaufgefahren sind und das Gebiet der Attuarier (um Geldern) verheert haben. Deren 'König' Chochilaich, der an Land zurückgeblieben ist um den Rückzug der Schiffe zu decken, fällt. Dann werden auch die Schiffe noch erwischt und die Franken gewinnen Beute und Gefangene zurück. Diese erstmals genannten Dänen sind Gauten und der König entspricht dem Hygelac des Beowulfliedes. |
| 520 |
Gründung des Klosters Clonard in Irland. |
| 523 |
Hygelac, ein König der südschwedischen Gauten, fällt auf einem Feldzug am Niederrhein. Nach dem Beowulf-Epos ist er der Onkel von Beowulf. |
| 524 |
Es stirbt Boethius (44). Er hat nicht nur Auszüge aus des Aristoteles Logikhandbüchern übersetzt und Handbücher über die freien Künste herausgegeben, sondern auch kurze Anhandlungen über aktuelle religiöse Kontroversen verfaßt. |
| 526 |
30. August: Theoderich der Große stirbt an der Ruhr. Er wird später als Verfolger der Katholiken gebrandmarkt. Aus diesem Jahr datieren die ersten Spuren der Langobarden in Pannonien. |
| 527 |
Byzanz: Regierungsantritt Justinians. |
| 529 |
Benedikt gründet auf dem Monte Cassino 'das erste abendländische Kloster' (wohl nach älterer Auffassung). An diesem Ort, wo er noch Heiden findet, zerstört er den letzten bekannten Tempel des Apollo. Justinian läßt die neuplatonische Schule von Athen schließen. [Wer es noch nicht gemerkt hat: Das Altertum ist vorbei - obschon einige den Beginn des Mittelalters erst um 800 ansetzen. Wenn man dieser Auffassung folgt, fällt die Benennung der Zwischenzeit etwas schwer, denn die Völkerwanderungszeit kann dafür nicht herangezogen werden - sie endet in diesem Jahrhundert. Besonders im angelsächsischen Raum gibt es den Begriff der 'Dark Ages' für die kommenden Jahrhunderte, besonders nach älterer Auffassung.] Justinian verfügt (Cod. Just. 3,43,1) am 22. September: 'Die Gewohnheit, zu spielen, ist eine alte und den Kämpfern außerhalb der Arbeitszeit erlaubte Angelegenheit. Zur Zeit ist sie etwas Beweinenswertes geworden, da sie sich vieler Tausende aus anderen Ständen bemächtigt hat. Denn es haben manche, indem sie weder eigentlich spielten noch ein Spiel verstanden, vielmehr nur durch Verluste ihr Vermögen verloren, indem sie Tag und Nacht mit Silber, Edelsteinen und Gold spielten. Durch eine solche Unordnung kommt es aber dazu, daß sie Gott zu lästern wagen und Schuldscheine ausstellen. Indem Wir durch für das Wohl Unserer Untertanen sorgen, verordnen Wir durch gegenwärtiges Gesetz, daß niemand an öffentlichen oder privaten Orten spielen und zusehen darf. Wenn dagegen gehandelt wird, erfolgt keine Verurteilung (zur Bezahlung des Verlustes), sondern das Gezahlte soll zurückgegeben werden und kann mit den dafür zustehenden Klagen zurückgefordert werden, nämlich von denen, die es gegeben haben, oder, wenn diese Personen es unterlassen haben, von den Prokuratoren, den Vorstehern oder Vertretern jener Stadt, indem (einer solchen Klage) nur die Verjährungsfrist von 50 Jahren entgegenstehen soll. Die Ortsbischöfe sollen darauf achten und sich dabei der Hilfe der Provinzstatthalter bedienen können. Ferner sollen sie fünf Spiele gestatten: das Springen ohne eine Stange, das Springen mit einer Stange, das Werfen eines Speeres ohne Schwungriemen, ferner das Kämpfen und Ringen und das Pferderennen. Diese Spiele gestatten Wir, vorausgesetzt, daß sie ohne Betrug und Arglist vor sich gehen. Wir gestatten aber auch, bei diesen Spielen nicht höher als um ein einziges Goldstück zu spielen, wenn ein Spieler sehr reich ist, so daß, wenn jemand besiegt werden sollte, er keinen großen Schaden erleidet, denn Wir führen nicht nur die Kriege, sondern ordnen auch die Staatsangelegenheiten gut an. Indem Wir nun jene Strafe den Üertretern androhen, erteilen Wir den Bischöfen die Erlaubnis, dies zu untersuchen und mit Hilfe des Provinzstatthalters zu schlichten...' |
| 532 |
Beginn der Ostertafeln des Dionysius. Die Geburt Christi wird auf den 25. Dezember des Jahres 1 v. Chr. angesetzt. Daneben wird die Diokletianische Ära (später auch aera martyrorum) gestellt, welche am 29. August 284 beginnt. |
| 534 |
Die Byzantiner bereiten dem nordafrikanischen Vandalenreich ein Ende. (An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, daß der Begriff des 'Vandalismus' erst 1794 in Frankreich auftaucht.) 16. November: In Byzanz wird der Codex Justinianus veröffentlicht. Dieser Rechtskodex umfaßt über 4600 Konstitutionen. Beginn einer Variante der Zeitrechnung im Abendland - nach Konsulatsjahren. Dieses Jahr ist das erste Jahr post consulatum Paulini. (Diese Erscheinung ist auf das früheste Mittelalter beschränkt.) |
| 537 |
Ca.: Der Sage nach soll König Artus (Arthur) in der Schlacht von Camlann gefallen sein. |
| 539 |
Prokop berichtet, daß das fränkische Heer unter Theudebert in Italien durch die Ruhr um ein Drittel reduziert worden sein soll. [Gotenkrieg II. 25] |
| 540 |
Theudebert läßt die ersten germanischen Münzen schlagen. |
| 542 |
Die Pest in Konstantinopel ('Justinianische Pest'). Es stirbt Bischof Caesarius von Arles. Er hatte einen Geistlichen als Spaßmacher und 'in schändlicher Redeweise agierenden Spielmann'. In einem später oft zitierten Text hat er gegen jene gepredigt, 'die noch die höchst schmutzige Schändlichkeit mit der Hindin und dem Hirsch betreiben'. Es scheint sich dabei um das 'in cervolo vadere' ('als Hirsch gehen') oder 'cervulum facere' ('den Hirsch machen') gehandelt haben, einen Neujahrsbrauch, vielleicht ein Spiel mit Hirschmasken, vielleicht mit keltisch-römischer Wurzel. [vgl. 668] Beginn einer Variante der Zeitrechnung im Orient - nach Konsulatsjahren. Dieses Jahr ist das erste Jahr post consulatum Basilii. (Diese Erscheinung ist auf das früheste Mittelalter beschränkt.) |
| 545 |
bis 549: Der walisische Kleriker Gildas beendet sein Werk 'De Excidio et Conquestu Britanniae'. |
| 548 |
In diesem Jahre war ein strenger und ungewöhnlich rauher Winter, so daß die Flüsse fest zufroren und das Volk über sie seinen Weg, wie über den festen Boden, nehmen konnte. Auch die Vögel wurden von Kälte und Hunger matt und ließen sich mit der Hand ohne alle Mühe fangen, da tiefer Schnee lag. [Gregor von Tours III. 37] |
| 550 |
Ca.: In Mainz dämmt Bischof Sidonius den Rhein ein, die Voraussetzung für die Anlage eines Wik [Handelsplatz] vor der alten römischen Ostmauer. Ca.: Verehrung heidnischer Gottheiten im Gebiet von Trier: 'Ich begab mich alsdann in das Gebiet der Stadt Trier, und auf dem Berge, auf dem ihr jetzt seid, baute ich mir mit eigener Hand die Wohnung, die ihr seht. Ich fand hier damals ein Bild der Diana vor, das das abergläubische Volk abgöttisch verehrte. Ich errichtete mir auch eine Säule, auf der ich unter großen Schmerzen ohne alle Fußbekleidung stand. Wenn dann die Winterszeit kam, litt ich bei der eisigen Kälte dergestalt, daß mir von dem heftigen Frost öfters die Nägel an den Füßen abgingen und in meinem Bart das gefrorne Wasserwie Zapfen herunterhing.' In jener Gegend soll nämlich der Winterhäufig sehr strenge sein. Da ich ihn darauf dringend darum bat, mir zu sagen, was er gegessen und getrunken, und wie er die Götzenbilder auf jenem Berge umgestürzt habe, sagte er: 'Zu Speise und Trank dienten mir Brot und Kohl und ein wenig Wasser. Wenn aber die Menge aus den benachbarten Höfen sich um mich sammelte, predigte ich unablässig, es sei Nichts mit der Diana, Nichts mit den Bildern, Nichts mit dem Götzendienst, den sie trieben, unwürdig auch seien jene Lieder, die sie beim Weine und ihren schwelgerischen Gelagen sangen, würdig sei es allein dem allmächtigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Opfer des Dankes darzubringen. Ich betete auch zum öfteren, der Herr möchte das Götzenbild zerstören und dies Volk aus der Finsternis erretten. Es überwand endlich Gottes Barmherzigkeit ihren rohen Sinn, sie neigten ihr Ohr zu den Worten meines Mundes, verließen ihre Götzen und folgten dem Herrn. Da sammelte ich eine Zahl von ihnen um mich, und es gelang mir mit ihrer Hilfe jenes gewaltige Götzenbild, das ich mit eigner Kraft nicht zertrümmern konnte, zu stürzen. Denn die andren Bilder, die kleiner waren, hatte ich schon selbst in Stücke gehauen. Als nun die Menge zu dem Bilde der Diana herbeikam, legten sie Stricke um dasselbe und suchten es umzureißen, aber alle ihre Anstrengung war vergeblich. Da eilte ich nach der Kirche, warf mich zur Erde und flehte unter Tränen zu der Gnade Gottes, da menschliche Macht dies Bild nicht stürzen könnte, möchte die Kraft des Himmels selbst es vernichten. Und als ich nach dem Gebet die Kirche verließ und zu den Arbeitern kam, da stürzte, als wir eben den Strick erst ergriffen und zum erstenmal ihn anzogen, das Bild sofort auf die Erde. Wir zerschlugen es sodann mit eisernen Hämmern und zermalmten es zu Staub.' [Gregor von Tours VIII, 15] Gemeint ist nicht die römische Diana, sondern wahrscheinlich die keltische Arduinna. |
| 551 |
Jordanes' 'De origine actibusque Getarum' vollendet. |
| 552 |
Ca.: Tod von Jordanes. (Bischof in Unteritalien |
| 553 |
Teja, der letzte König der Ostgoten fällt in der Schlacht am Vesuv. Das italienische Ostgotenreich ist damit untergegangen, obwohl sich noch einige Reste bis 563 halten können. |
| 555/560 |
Es stirbt Benedikt von Nursia. Die von ihm entwickelte Benediktinerregel für seine Mönchsgemeinschaft in Montecassino wird die (im Mittelalter) verbreitetste Schrift nach der Bibel werden. Danach besteht deas Ziel des Mönchtums in der Christusnachfolge. Das Kloster soll eine 'Schule für den Dienst des Herrn' sein. Die wichtigsten Aufgaben: Zucht, Ordnung, Gehorsam, Enthaltsamkeit und Nächstenliebe. Ein Grundgesetz ist die 'Beständigkeit in der Gemeinschaft'. Die Mönche haben einen einen gemeinsamen Speisesaal (Reflektorium) und einen gemeinsamen Schlafsaal (Dormitorium) |
| 557 |
Die Sachsen bedrohen Deutz. Erneuter Ausbruch der Pest |
| 558 |
Ca.: 'Auch die Stadt Tours selbst war schon im Jahr zuvor von einer Feuersbrunst eingeäschert worden, und alle Kirchen daselbst waren leer und öde geblieben. Danach wurde aber die Kirche des heiligen Martinus auf Anordnung König Chlothars mit Zinn gedeckt, und in demselben Glanz hergestellt, wie sie früher war. Damals erschienen auch zwei Heuschreckenschwärme, welche über Arvern und Limoges kamen, und, wie man erzählt, in die Ebene von Romagnac zogen, wo sie einen Kampf unter sich anstellten und hart zusammenstießen.' [Gregor von Tours IV. 20] |
| 563 |
Columban gründet in Iona ein Kloster |
| 564 |
Ein Papyrus aus Ravenna erwähnt die Aufbewahrung von Essig und Getreide in Fässern (statt Amphoren). |
| 565 |
In Byzanz stirbt Kaiser Justinian. Bis 570: Aus dieser Zeit stammt die älteste erhaltene europäische Stickerei, nämlich auf einer Tunika aus dem Grab der Königin Arnegunde in Saint-Denis (Goldstickerei). |
| 568 |
Die Langobarden verlassen Pannonien und besetzen Italien. Nach Pannonien (zwischen Theiß und Drau) strömen nun die Awaren. |
| 570 |
Die Pest in Ostia, anschließend im Rhonetal, Auvergne und Berry. Aed n mac Gabr in, der König von Dal Riada (ungefähr in Schottland), läßt einen seiner Söhne auf den Namen Arthur taufen. (Dies zu den frühen Quellen der Artussage) Ca.: 'Es trug sich aber in Gallien ein großes wunderbares Ereignis mit der Burg Tauredunum [beim Genfer See] zu. Sie lag über der Rh“ne auf einem Berge, und als man in diesem mehr denn sechzig Tage lang ein ungewöhnliches Getöse vernommen hatte, trennte und teilte er sich endlich von einem andren ihm nah gelegenen, und stürzte mit den Menschen, Kirchen, Schätzen und Häusern in den Fluß |
| 571 |
'Als aber die Pest ausbrach, richtete sie eine solche Verheerung unter dem Volke in jener ganzen Gegend an, daß nicht einmal berechnet werden kann, wie viele Tausende daran umgekommen sind. Denn als es an Särgen und Brettern zu fehlen anfing, begrub man in einer Grube zehn und selbst mehr bei einander. Es wurden an einem Sonntage in der Kirche des heiligen Petrus allein dreihundert Leichen gezählt. Der Tod überfiel dieMenschen ganz plötzlich. Nachdem sich in den Weichen oder unter der Achsel eine Geschwulst wie von einem Schlangenbiß gebildet hatte, wurde der Mensch von dem Gifte derselben so schnell ergriffen, daß er schon am zweiten oder dritten Tage den letzten Atem aushauchte. Auch die Besinnung raubte die Kraft jenes Giftes dem Menschen. (...) Damals wurden auch Lyon, Bourges, Chƒlons und Dijon durch diese Seuche sehr entvölkert.' [Gregor von Tours IV, 31] |
| 576 |
Das Konzil von Tours verdammt den julianischen Jahresanfang am 1. Januar als heidnisch. Der 1. Januar ist das ganze Mittelalter hindurch oft entgegen abweichender offizieller Termine der volkstümliche Jahresanfang. |
| 580 |
'Im fünften Jahre der Regierung König Childeberts bedrängten große Üerschwemmungen die Gegend von Arvern. Zwölf Tage hörte es nicht auf zu regnen, und die Limagne wurde von einer solchen Wassermasse überflutet, daß sie Viele an der Aussaat hinderte. Die Loire, der Allier und die andren Bergströme, welche sich in die Loire ergießen, schwollen so an, daß sie weiter, als jemals zuvor, über ihre Ufer austraten, großen Schaden unter den Viehherden, bedeutenden Verlust an bestellten Äckern und Verheerungen an den Gebäuden anrichteten. Auf gleiche Weise trat auch die Rh“ne mit der Sa“ne aus ihren Ufern aus, richtete großen Schaden den Anwohnern an und unterwühlte zum Teil die Mauern von Lyon. Als aber die Regengüsse nachließen, fingen die Bäume noch im Monat September von Neuem an zu blühen. Im Gebiet von Tours sah man in diesem Jahre in der Frühe, ehe noch das Tageslicht anbrach, einen feurigen Schein, der sich über den Himmel fortzog und nach der östlichen Seite hin verschwand. Auch hörte man ein Krachen, gleichwie von einem fallenden Baume, durch das ganze Land. Es konnte aber deshalb nicht von einem Baume herrühren, weil es weiter als fünfzig Meilen gehört wurde. In demselben Jahre wurde die Stadt Bordeaux schwer von einem Erdbeben mitgenommen, und die Mauern der Stadt drohten einzustürzen. Die ganze Einwohnerschaft schwebte in solcher Todesfurcht, daß sie meinten, wenn sie nicht flöhen, würden sie Alle mit der Stadt von der Erde verschlungen werden. Deshalb wanderten Viele nach andren Städten aus. Das Erdbeben erstreckte sich auch nach den benachbarten Städten und reichte bis nach Spanien, aber nicht in derselben Stärke. In den Pyrenäen lösten sich gewaltige Felsstücke los und erschlugen Menschen und Vieh. Viele Ortschaften in dem Gebiete von Bordeaux äscherte eine Feuersbrunst ein, die durch göttliche Schickung entstanden zu sein scheint. Die Häuser, wie die Scheunen mit der Ernte wurden plötzlich vom Feuer ergriffen und durch den Brand völlig zerstört. Da das Feuer durchaus keinen Anlaß von anderer Seite hatte, brach es wahrscheinlich nach einer himmlischen Fügung aus. Auch die Stadt Orleans wurde von einer großen Feuersbrunst verheert, so sehr, daß selbst den Reicheren durchaus Nichts übrig blieb, und wenn ja Einer etwas aus den Flammen rettete, lauerten ihm die Diebe auf und nahmen es ihm. In dem Gebiet von Chartres floß wirkliches und wahrhaftiges Blut aus den gebrochenen Broten. Die Stadt Bourges wurde von einem starken Hagelschlag heimgesucht. 34. Von der Ruhr und dem Tode von Chilperichs Söhnen. (35.) Auf diese wunderbaren Ereignisse folgte eine sehr schwere Seuche. Denn als die Könige schon wieder haderten und sich abermals zum Bürgerkriege rüsteten, breitete sich eine ansteckende Ruhr fast durch alle gallischen Länder aus. Es hatten aber, die daran litten, unter Erbrechen heftiges Fieber und einen gewaltigen Nierenschmerz, auch Kopf und Genick war ihnen schwer, und der Auswurf war von gelber oder mindestens grüner Farbe. Die gemeinen Leute nannten die Krankheit innere Blattern, und dies ist nicht ganz ungereimt, denn wenn an den Schultern oder Schenkeln Schröpfköpfe gesetzt wurden, kamen Blasen heraus und brachen auf, und durch das Auslaufen des Eiters wurden Viele geheilt. Aber auch Kräuter, die man sonst als Gegengift braucht, halfen als Trank eingegeben sehr Vielen. Und zuerst befiel diese Krankheit, die im Monat August ausbrach, die Kinder und raffte sie fort. Auch wir verloren die süßen, teuren Kleinen, die wir auf unsrem Schoß gehegt, in unsren Armen gewiegt, denen wir mit eigener Hand Speise gereicht und sie mit ängstlicher Sorge genährt hatten, aber wir trockneten unsere Tränen und sprachen mit dem heiligen Hiob: 'Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobet.' [Gregor von Tours V, 33 - 34] 'Dem Bischof Eunius, den wir vorher als Gesandten der Britannen erwähnt haben, wurde nicht erlaubt, nach seiner Stadt zurückzukehren, sondern es erging ein Befehl vom Könige, er solle zu Angers auf öffentliche Kosten erhalten werden. Als er aber nach Paris kam und an einem Sonntage den heiligen Gottesdienst hielt, stürzte er unter lautem Schreien und Schnauben zu Boden. Und da ihm das Blut aus Mund und Nase drang, wurde er aufgehoben und davongetragen, doch genas er bald wieder. Er war nämlich über die Maßen dem Weine ergeben und berauschte sich oft so sehr, daß er keinen Schritt tun konnte.' [Gregor von Tours V. 40] 'Zuderselben Zeit kam zu Poitiers ein Wolf aus den Wäldern in das Tor der Stadt, man schloß die Tore, jagte auf ihn innerhalb der Stadtmauern und tötete ihn. - Einige behaupteten, sie hätten den Himmel in Flammen gesehen. - Die Loire war noch höher als im vorigen Jahre, nachdem sich das Wasser des Cher in sie ergossen hatte. - Ein Südorkan stürmte mit solcher Gewalt einher, daß er Wälder niederstreckte, Häuser zu Boden warf, Zäune ausriß und selbst Menschen so packte und herumschleuderte, daß sie umkamen. Er stürmte einher in einer Breite von etwa sieben Morgen, wie weit er sich ausdehnte, war nicht zu berechnen. -Auch krähten die Hähne oft bei Einbruch der Nacht. - Der Mond verfinsterte sich und es erschien ein Komet. Es brach darauf eine schwere Seuche unter dem Volke aus.' [Gregor von Tours V. 42] Bischof Agricola gründet in Chalon-sur-Sa“ne ein Leprösenheim. Erste Erwähnung von Toledo als Hauptstadt der Westgoten. |
| 581 |
Das Kloster Monte Cassino wird von den Langobarden zerstört. Die Mönche fliehen nach Rom (oder bereits 577). Die Originalhandschrift der Benediktinerregel gelangt nach Rom (bis ca. 750). |
| 582 |
'Im siebenten Jahre der Regierung König Childeberts, das ist im einundzwanzigsten Chilperichs und Gunthramms, regnete, blitzte und donnerte es im Monat Januar gar gewaltig. Auch sah man Blüten an den Bäumen. Und es wurde ein Stern, den man, wie ich schon früher gesagt habe, Komet nennt, sichtbar. Rings um ihn war Alles dunkel, gleich wie aus einer Spalte hervorbrechend, strahlte er funkelnd und Strahlen schießend durch die Finsternis. Und es ging von ihm ein Schweif von auffallender Größe aus, der von fern wie eine starke Rauchwolke von einer Feuersbrunst aussah. Man sah den Stern im Abend um die erste Stunde der Nacht. - Am heiligen Ostertage sah man zu Soissons hell den Himmel leuchten, so daß es den Anschein gewährte, als seien es zwei Feuer, das eine größer, das andere kleiner. Nach Verlauf zweier Stunden verbanden sie sich alsdann, bildeten eine große Feuerkrone und verschwanden. - Im Gebiete von Paris träufelte wirkliches Blut aus einer Wolke und fiel vielen Leuten auf den Anzug, den es so befleckte, daß sie vor Abscheu ihre eigenen Kleider nicht mehr tragen mochten. Diese wunderbare Erscheinung wurde an drei Orten im Gebiet jener Stadt bemerkt. Im Gebiete von Senlis fand ein Mann, als er am Morgen aufstand, sein Haus im Innern mit Blut bespritzt. Es war auch eine große Seuche in diesem Jahre unter dem Volke. Verschiedene Krankheiten, Frieseln, Blattern und Ausschlag wurden für eine große Zahl Menschen tödlich. Von denen aber, die sich in Acht nahmen, kamen Viele davon. Wir hörten auch, daß zu Narbonne in diesem Jahre stark die Drüsenpest wütete, so daß, wenn Jemand von ihr ergriffen wurde, es sogleich mit ihm vorbei war.' [Gregor von Tours VI, 14] 'In demselben Jahre zeigten sich abermals manche Wunderzeichen. Eine Mondfinsternis trat ein |
| 583 |
Es stirbt Cassiodor (96). 'Im achten Jahre König Childeberts senkte sich zu Tours am 31. Januar, einem Sonntage, als gerade zur Frühmette geläutet war und das Volk aufstand und zur Kirche kam, bei bewölktem Himmel unter Regen eine große Feuerkugel vom Himmel und durchlief einen großen Raum in der Luft. Sie verbreitete ein solches Licht, daß man alles deutlich wie am Mittage erkennen konnte. Dann trat sie hinter eine Wolke, und es entstand tiefes Dunkel. Die Gewässer schwollen ungewöhnlich an, und die Seine und Marne traten bei Paris dergestalt aus, daß zwischen der Stadt und der Kirche des heiligen Laurentius mancher Schiffbruch litt.' [Gregor von Tours VI, 25] |
| 584 |
'Es kehrten Gesandte König Chilperichs aus Spanien heim und erzählten, daß die Carpitanische Provinz schrecklich von Heuschrecken verwüstet sei, kein Baum, kein Weinstock, kein Busch, keine Feldfrucht, nichts Grünes sei übrig geblieben, das die Heuschrecken nicht zu Grunde gerichtet hatten. Sie meldeten auch, daß die Feindschaft, welche zwischen Leuvigild und seinem Sohne ausgebrochen war, noch sehr im Wachsen sei. Auch verödeten viele Gegenden dort durch die Pest, welche besonders zu Narbonne ungewöhnlich stark wütete und zwar schon im dritten Jahre, nachdem sie zuerst aufgetreten war, und als sie schon so weit beseitigt schien, daß die Leute von der Flucht zurückkehrten. Sie wurden nun aber zum zweiten Mal von der Krankheit heimgesucht. Auch die Stadt Albi litt sehr durch diese Seuche. In diesen Tagen wurden nach Norden um Mitternacht viele Strahlen sichtbar, die in sehr hellem Glanze leuchteten, sich näherten und dann wiederum trennten, bis sie verschwanden. Auch glänzte der ganze Himmel dabei gegen Norden so hell, daß man hätte glauben sollen, die Morgenröte breche an.' [Gregor von Tours VI, 33] 'Die Heuschrecken zogen in diesem Jahre aus der Carpitanischen Provinz, welche sie fünf Jahre verwüstet hatten, auf der großen Heerstraße weiter in eine andre Provinz. Sie nahmen der Länge nach einen Raum von 50 Meilen, der Breite nach von 100 Meilen ein. In Gallien waren in diesem Jahre viele merkwürdige Erscheinungen, und es kamen schwere Zeiten über das Volk. Im Monat Januar blühten die Rosen, und um die Sonne sah man einen großen Ring, in allerlei Farben spielend, wie er sich beim Regen in dem Regenbogen am Himmel zu zeigen pflegt. Der Reif that den Weinbergen großen Schaden. Dann trat ein Hagelwetter ein, daß die Weinberge und Saatfelder an sehr vielen Orten verheerte. Was der Hagel verschont hatte, kam durch die ungeheure Dürre um. Der Ertrag der Weinberge war sehr gering, in vielen fehlte er ganz, so daß die Menschen, mit Gott hadernd, die Türen der Weinberge öffneten und die Herden hineintrieben. Die Verblendeten wünschten sich selbst das Unheil herbei und sprachen: 'Niemals soll in alle Ewigkeit in diesen Weinbergen wieder eine Rebe wachsen.' Die Obstbäume brachten dagegen, nachdem sie schon im Monat Juli getragen hatten, im Monat September abermals Früchte. Wiederholt griff damals auch die Viehseuche um sich, so daß kaum ein Stück übrig blieb.' [Gregor von Tours VI, 44] 'Es war im Monat Dezember, als sich dieses zutrug, und damals zeigten sich in den Weinbergen an den Reben neue Schößlinge mit mißgestalteten Trauben, wie Blüten an den Bäumen |
| 585 |
'Damals wurde auch ein Riese zum Könige gebracht, der zu Mummolus Dienstleuten gehört hatte und so groß war, daß er, wie man meinte, zwei bis drei Fuß die längsten Menschen überragte. Er war ein Zimmermann und starb bald darauf.' [Gregor von Tours VII, 41] 'In diesem Jahre kam eine große Hungersnot fast über ganz Gallien. Und sehr viele buken aus Traubenkernen und Haselblüten Brot, Manche auch aus getrockneten und zu Staub geriebenen Wurzeln des Farnkrauts, denen sie etwas Mehl beimischten. Viele schnitten die grüne Saat ab und gebrauchten sie auf ähnliche Weise. Es gab ferner solche, die, da sie gar kein Mehl mehr hatten, allerhand Kräuter ausrissen und aßen |
| 587 |
'Es geschahen damals viele Wunderzeichen. In den Häusern vieler Personen fand man die Gefäße mit gewissen Zeichen bemalt, und man konnte diese auf keine Weise weder auskratzen noch wegwischen. Diese Erscheinung zeigte sich zuerst in dem Gebiet der Stadt Chartres und verbreitete sich dann durch das Gebiet von Orleans bis nach dem von Bordeaux, es gab keine Stadt auf diesem Wege, wo man sie nicht bemerkte. In den Weinbergen sah man im Oktober, als die Weinlese bereits vorüber war, neue Rebschösse mit mißgestalteten Trauben. Auch bemerkte man an manchen Bäumen neues Laub und neue Früchte. Am nördlichen Himmel erschienen Lichtstrahlen. Manche wollten auch Schlangen aus einer Wolke haben fallen sehen. Andere behaupteten, ein ganzer Hof sei mit seinen Häusern und Einwohnern plötzlich untergegangen und verschwunden. Noch viele andere Zeichen traten ein, die den Tod des Königs oder eine Landplage zu verkünden pflegen. Es gab in jenem Jahre eine spärliche Weinernte, großes Wasser, unendlich viel Regen, und die Flüsse schwollen gewaltig an.' [Gregor von Tours IX, 5] Es stirbt die hl. Radegunde, eine aus Thüringen stammende merowingische Königin. Sie hat in Poitiers ein Nonnenkloster (Sainte Croix) gegründet, welches schnell Zulauf findet. |
| 588 |
'In diesem Jahre gab es im Frühling starke Regengüsse, und als die Bäume und Weinberge schon grünten, fiel so viel Schnee, daß er Alles bedeckte. Auch später trat noch Frost ein, es erfroren die Reben in den Weinbergen, wie auch die übrigen Früchte, die bereits angesetzt hatten. So groß war die Kälte, daß sogar die Schwalben und die Vögel, die aus fremden Gegenden kamen, bei dem starken Froste starben. Auch das war wunderbar, daß, wo sonst der Frost niemals Schaden angerichtet hatte, er damals Alles zu Grunde richtete, und gerade da nicht hinkam, wo er sonst Verheerungen verursachte.' [Gregor von Tours, IX, 17] 'Da ich oben erzählt habe, daß die Stadt Marseille damals von einer sehr schlimmen Krankheit heimgesucht wurde, so will ich doch ausführlicher erzählen, wie schwere Leiden sie erduldete. Es war gerade in jenen Tagen Bischof Theodorus zum König gereist um ihm Einiges gegen den Patricius Nicetius mitzuteilen. Da er aber bei König Childebert in dieser Sache kein Gehör fand, beschloß er in seine Heimat zurückzukehren. Inzwischen war ein Schiff aus Spanien im Hafen von Marseille mit Waren eingelaufen und hatte trauriger Weise den ansteckenden Stoff dieser Krankheit mit sich gebracht. Nachdem schon viele Bürger Verschiedenes von dem Schiffe gekauft hatten, brach plötzlich in einem Hause, das von acht Seelen bewohnt war, die Krankheit aus, die Bewohner wurden von derselben hingerafft, und das Haus starb ganz aus. Doch verbreitete sich die verzehrende Seuche nicht sofort über die ganze Stadt, sondern erst nach einiger Zeit erfaßte sie dieselbe, gleichwie ein Feuer, das in die Saat geworfen wird. Dennoch kehrte der Bischof nach der Stadt zurück, er hielt sich mit den Wenigen, die damals mit ihm ausharrten, in den Mauern der Kirche des heiligen Victor auf und flehte dort, so lange die Pest in der Stadt wütete, unablässig im Beten und Wachen, die Barmherzigkeit Gottes an, doch endlich das Verderben ein Ende nehmen und das Volk in Ruhe und Frieden leben zu lassen. - Als dann diese Plage schon zwei Monate aufgehört hatte und das Volk sorglos zur Stadt zurückkehrte, brach die Krankheit abermals aus, und es starben jetzt die, welche zurückgekehrt waren. Die Stadt wurde auch in der Folge noch vielfach von diesem verheerenden Üel heimgesucht.' [Gregor von Tours IX, 22] |
| 589 |
Im Nonnenkloster Sainte Croix in Poitiers (siehe 587) kommt es zu einem Aufstand der Nonnen, angeführt von Chrodechilde, einer Tochter des merowingischen Königs Charibert und ihrer Kusine Basina, einer Tochter des Königs Chilperich. 'Im Vertrauen auf ihre königlichen Verwandten nahm sie (Chrodechilde) den Nonnen einen Eid ab, daß sie der Äbtissin Leubowera Verbrechen vorwerfen, sie aus dem Kloster entfernen und statt dessen sie selbst zum Haupt desselben einsetzen wollten.' (Gregor von Tours IX, 39] Sie verläßt mit 40 Nonnen das Kloster, um ihre Ziele am Königshof durchzusetzen. 'Königstöchter sind wir und kehren nicht eher in das Kloster zurück, bis die Äbtissin fortgeschafft ist.' (Gregor, daselbst) Bischof Gregor von Tours (der Berichterstatter), wohl ihre erste Anlaufstelle, versucht sie von ihrem Vorhaben abzubringen und die Anklagen vor dem zuständigen Ortsbischof zu verhandeln. König Guntchramn verspricht, eine Bischofsversammlung einzuberufen, eine Maßnahme, die sich verzögert. Nun verschanzen sich die Nonnen, zusammen mit 'einer Schar von Dieben, Mördern und Ehebrechern' in der Hilariuskirche zu Poitiers und rüsten sich zum Widerstand |
| 590 |
'Indiesem Jahre leuchtete über das Land bei Nachtzeit ein so heller Schein, daß man hätte glauben mögen, es sei Mittag |
| 591 |
'In Gallien suchte die oftgenannte Seuche die Provence von Marseille heim. Die Gebiete von Angers, Nantes und Mans litten unter einer großen Hungersnot. Und dies ist der Anfang der großen Trübsal, wie der Herr im Evangelium sagt: 'Es werden sein Pestilenz und teuere Zeit und Erdbeben hin und wieder, und es werden sich erheben falsche Christi und falsche Propheten, die Zeichen und Wunder tun, daß sie auch die Auserwählten verführen' wie solches alles in dieser Zeit geschehen ist. Ein Mann nämlich aus dem Gebiet von Bourges ging eines Tages in den Wald, um Holz zu einem notwendigen Bau zu fällen, dort überfiel ihn, wie er dies später selbst gestand, ein Fliegenschwarm, und zwei Jahre lang blieb er in Folge dessen seiner Sinne beraubt. Hieraus erkennt man schon sonnenklar, daß alles eine arglistige Veranstaltung des Teufels war. Danach aber zog dieser Mann durch die benachbarten Städte und kam bis in die Provence von Arles. Hier kleidete er sich in Felle, betete wie ein auserwählter Frommer, und um ihn zu verführen verlieh ihm der Widersacher sogar die Gabe der Wahrsagung. Darauf brach er, auf daß er noch greulichere Sünden beginge, von dort auf und kam in das Gebiet der Stadt Javols, gab vor, er sei etwas Großes, und scheute sich nicht, sich für Christus selbst auszugeben. Er hatte aber bei sich ein Weib, gleichwie seine Schwester, die ließ er Maria nennen. Und es strömte ihm eine große Menge Volks zu und brachten die Kranken herbei, die er berührte und gesund machte. Es trugen ihm die, so ihm zuliefen, auch Gold, Silber und Kleider zu, er schenkte aber alles den Armen, auf daß er noch mehr die Menge verführte, warf sich auf den Boden und betete inbrünstig samt jenem Weibe, und wenn er wieder aufstand, ließ er sich dagegen von denen anbeten, die um ihn standen. Er sagte auch die Zukunft vorher |
| 594 |
Oder 595: Gregor von Tours verstirbt. |
| 597 |
Papst Gregor schickt Augustinus, um Britannien zu bekehren. Dieser erreicht die Insel Thanet und predigt vor König Aethelbert von Kent. Dessen Frau Bertha ist Christin. (Es ist in dieser Frühzeit eine gängige Konfiguration, daß die Frauen heidnischer Herrscher bereits christlich sind.) Gründung des Benediktinerklosters Canterbury, der Hauptstadt Aethelberts. |
| 598 |
'In diesem Jahre verwüstete ein schweres Hagelwetter Massilia und die übrigen Städte der Provinz. In demselben Jahre kochte das heiße Wasser in dem See von Dunum, in den sich die Arula ergießt, so gewaltig auf, daß eine Menge Fische gesotten wurden.' [Pseudo-Fredegar 18] |
| 599 |
6. Jh.Landnahme der Bajuwaren. Slawen besiedeln Mecklenburg. Sie sitzen auch in der Uckermark. Vielleicht ist jetzt bereits nördlich der Alpen der schwere Räderpflug (Beetpflug) bekannt. Im Gegensatz zum alten römischen Hakenpflug wendet er den Boden zugleich (in einer Richtung) und macht ein nochmaliges Querpflügen überflüssig. Der alte Hakenpflug, der nur die oberste Bodenschicht aufreißt, bleibt parallel dazu noch lange in Gebrauch, je nach Vermögen der Bauern. Die urnordische Sprache wandelt sich relativ rasch zum Altnordischen. |
| 600 |
6. und 7. Jh.: Einsetzen der fränkischen Reihengräberfelder als Zeichen des Landesausbaus. Bevölkerungsanstieg bei Franken, Alemannen und Bajuwaren. Wüstungsperiode im östlichen Mitteleuropa. |
| 600 |
Ca.: In Italien wird die Geldwirtschaft durch Naturalwirtschaft abgelöst. [Das hätte man gerne etwas näher belegt...] Ca.: Schätzungen für die Bevölkerung Europas: a) Gesamt ca. 26 Mio. (Gallien: 4-5 Mio., England: 0,6 Mio., Deutschland 3-4 Mio., Balkan: 3 Mio., Anatolien: 5 Mio.) [Strategy & |
| 610 |
In Norditalien erfindet - der Sage nach - ein Mönch die Brezel, womit Kinder für das Lernen des Katechismus belohnt worden sein sollen. 'Bracciatelli' bedeutet 'kleine Ärmchen', d.h. die Form soll an im Gebet verschränkte Kinderarme erinnern. |
| 611 |
/612: Kolumban trifft in Bregenz am Bodensee Bewohner der Stadt an, die ein heidnisches Opferfest feiern: 'Endlich gelangten sie an den bestimmten Ort, der zwar dem Columban nicht gefiel, doch beschloß er zu bleiben, um dem benachbarten Volke den Glauben zu verkündigen. Es ist aber schwäbisches Volk, das dort wohnt. Einmal fand er, als er diese Gegend durchzog, wie die Einwohner ein heidnisches Opfer begehen wollten: sie hatten ein großes Gefäß, das bei ihnen Cupa heißt, und das ungefähr zwanzig Eimer hielt, mit Bier angefüllt und in ihre Mitte gesetzt. Auf Columbans Frage, was sie damit wollten, sprachen sie, sie bringen ihrem Gott Wodan (den andere Mercurius nennen) ein Opfer, wie er von diesem scheußlichen Werk hörte, blies er das Faß an, und siehe da, es löste sich mit Gekrach und sprang in Stücke, so daß alles Bier augenblicklich herausströmte. Da zeigte es sich klar, daß der Teufel in der Kufe verborgen gewesen war, der durch das irdische Getränke die Seelen der Opfernden fangen wollte. Wie das die Heiden sahen, staunten sie und sprachen, Columban habe einen starken Atem, daß er ein fest gebundenes Faß so zersprengen könne. Er aber schalt sie mit den Worten des Evangeliums und befahl ihnen, abzulassen von solchen Opfern und nach Hause zu gehen. Viele wurden damals durch die Predigt des heiligen Mannes bekehrt und ließen sich von ihm taufen |
| 612 |
Columban aus Irland gründet in Italien das Kloster Bobbio, gelegen in den Apenninen am Rande des Einflußbereiches der arianischen Langobarden (oder 614). Die dortigen Mönche, vielfach irischer Abkunft, werden über mehrere Generationen im 7. und 8. Jh. zahlreiche wichtige Handschriften verfertigen, und zwar in etlichen Misch- und Üergangsformen zwischen irischer und festländischer Halbunziale bzw. Kursive. |
| 616 |
Die bisher arianischen Langobarden werden katholisch. |
| 622 |
Im Frankenreich wird Dagobert, Chlotars Sohn, Mitregent in Austrasien und erster Majordomus. 15. Juni: Die Hedschra |
| 623 |
Beginn des Slawenreiches des fränkischen Kaufmannes Samo (bis 656) |
| 624 |
Isidor von Sevilla berichtet im 'Origenes' über Siphone, die im Orient zum Feuerlöschen benutzt werden. |
| 625 |
Die Merowinger beginnen in ihren Urkunden Papyrus zu verwenden (bis ca. 673). Dagobert I. gründet die Abtei St. Denis. Ca.: Straßburg wird Bischofssitz. Ca.: Datierung des Schiffsgrabes von Sutton Hoo (südöstl. v. Suffolk). Inhalt (u.a.): 37 merowingische Goldmünzen |
| 626 |
Die Franken setzen erstmals Reiterei im Angriff ein (gegen die Sachsen). Die lange gehegte Annahme jedoch, die kriegerischen Erfolge der Franken kämen von ihrer 'schweren' Reiterei her (diese wiederum von der Einführung des überschätzten Steigbügels), können nicht aufrechterhalten werden. [Es scheint, als hätte man hier versucht, die Entwicklung des 'Rittertums' erheblich vorzuverlegen.] |
| 627 |
Bischof Paulinus baut in York eine hölzerne Kirche. |
| 629 |
Bischof Arnold von Metz stirbt. |
| 636 |
Es stirbt Isidor von Sevilla (ca.76). |
| 638 |
Kalif Omar erobert Jerusalem. |
| 640 |
Es stirbt Hausmeier Pippin. Es stirbt Bischof Desiderius von Cahors, von dem es heißt, daß in seinem Hause entgegen den Gewohnheiten des Adels die Spielleute (histriones und scurri) keinen Platz gehabt hätten. |
| 650 |
Ca.: In der Runeninschrift von Stentoften findet sich die erste gesicherte schriftliche Fixierung des Umlauts -e- < |
| 653 |
Während der achten toledanischen Synode bezeichnet der König des spanischen Westgotenreiches das Volk Hispaniens bereits als eine Einheit. |
| 654 |
Rekkesvind, König der Westgoten erläßt die 'Lex Visigothorum Reccesvindiana', ein Gesetzeswerk, welches für alle Untertanen bindend ist und das 'Breviarum Alarici' aufhebt. |
| 660 |
Bis 664: Aus dieser Zeit stammt die kostbare, Edelsteinschmuck nachahmende Seidenstickerei der für Königin Bathilde gearbeiteten 'chasuble de Chelles' (bei Paris). |
| 668 |
Theodor wird Erzbischof von Canterbury (bis 690). Sein Bußbuch (Liber Poenitentialis) enthält das älteste englische Kirchenrecht. Ein Auszug über heidnische Bräuche: 'Not only celebrating feasts in the abominable places of the heathen and offering food there, but also consuming it. Serving this hidden idolatry, having relinquished Christ. If anyone at the kalends of January goes about as a stag or a bull |
| 670 |
Im merowingischen Gallien wird Pergament verwendet. Ca.: Enddatierung des größten bajuwarischen Reihengräberfeldes in Altenerding bei München. |
| 673 |
Pest im Irak. Ca.: Ende der Verwendung von Papyrus für merowingische Urkunden. Es haben nämlich mittlerweile die Araber das vormals byzantinische Ägypten erobert, wodurch kein Papyrus mehr exportiert wird. Pergament dagegen ist viel kostbarer. Das Papier ist zwar bereits erfunden, wird aber noch eine Weile brauchen, bis es nach Europa kommt. Dies ist mit ein Grund für die Quellenarmut dieser Zeit. |
| 676 |
In Syrien und Mesopotamien verursachen Heuschrecken eine Hungersnot. |
| 679 |
Eine römische Synode verbietet den Bischöfen, Zitherspieler (citharoedas) zu alimentieren und an ihren Residenzen Schauspiele zu veranstalten. |
| 686 |
Mit Wessex wird auch das letzte angelsächsische Reich christlich. |
| 689 |
8. Juli: Kilian wird in Würzburg zum Märtyrer. |
| 690 |
Willibrord missioniert bei den Friesen. Die Gesetze von König Wihtraed von Kent verbieten bei Geldstrafe die Opfer an die 'Teufel', d.h. heidnische Gottheiten. |
| 692 |
Ein Konzil in Konstantinopel verbietet bei Strafe der Exkommunikation das Tragen von Perücken. |
| 698 |
Bis 700: In Irland herrschen Pest und Hunger, es gibt Gerüchte über Kannibalismus [Aber eben nur Gerüchte!]. |
| 700 |
Seit Anfang des 7. Jhs. ist der Kodex die normale Form des Buches. Die Rolle findet nur noch vereinzelt Verwendung. |
| 700 |
Seit dem 7. Jh. sind in der fränkischen Führungsschicht Tendenzen zur Entstehung eines Adels und ein sich auf Geburt berufendes Sonderbewußtsein erkennbar. Seit dem 7. Jh. importieren die Araber Papier von den Chinesen. Mitte: Die Besiedlung in vielen Bereichen Nordwestdeutschlands verdichtet sich (wieder). Mitte: Bevölkerungstief in Europa |
| 700 |
2. Hälfte 7. Jh.: Älteste erhaltene Pergamenturkunden der Merowinger. |
| 700 |
Ende: Ende der fränkischen Grabbeigaben (wichtige demographische Quelle!) |
| 707 |
Kalif Walid I. (705 - 715) läßt in Damaskus das erste Krankenhaus bauen und befiehlt eine Absonderung der Leprakranken 'damit sie sich nicht in den Gassen und auf den basaren umhertrieben' [Makrizi: Beschreibung der Krankenhäuser in el-Kahira. Ed. Wüstenfeld. In: Janus I, S. 28 - 39.] |
| 709 |
Es stirbt Aldhelm von Malmesbury, ein Angelsachse mit der Angewohnheit, nach der Messe und vor der Predigt ein 'carmen triviale' (weltliches Lied) einzulegen, von denen mindestens eines noch zu Zeiten Alfreds des Großen (871 - 899) im Volke gesungen wird. |
| 711 |
Die Araber erobern das Westgotenreich in Spanien. |
| 714 |
Karl Martell wird fränkischer Majordomus. Er schaltet das thüringische Stammesherzogtum aus. |
| 715 |
Nach 715 wird in Italien Pergament verwendet. |
| 716 |
Winfrid, ein Benediktiner aus Südengland (später Bonifatius) beginnt bei den Friesen zu missionieren - ohne Erfolg (keine politische Unterstützung). |
| 719 |
Winfrid erhält in Rom den Namen Bonifatius und den Auftrag, bei Hessen, Sachsen und Thüringern zu missionieren, 'mit einer großen Menge Reliquien' versehen. In Thüringen hat er keinen Erfolg und zieht zu den Friesen. |
| 720 |
Othmar gründet das Kloster St. Gallen. |
| 721 |
Bonifatius zieht auf die fränkische Amöneburg (östlich von Marburg) und baut dort ein kleines Kloster. (Missionierung funktioniert in diesen Zeiten nur mit militärischer oder politischer Unterstützung.) |
| 722 |
'722 herrschte große Fruchtbarkeit' [Lambert von Hersfeld] |
| 723 |
Bonifatius fällt die Donareiche bei Geismar und baut aus ihrem Holz die Peterskirche in Fritzlar. |
| 726 |
Kaiser Leon II. verbietet die Anbetung von Bildern. Es stirbt Erzbischof Lullus von Mainz. Er hat die Eitelkeiten seiner adligen Umwelt kritisiert, welche 'wertvolle Kleider, mit Spelt gemästete Pferde, Jagdvögel und Falken,...bellende Hunde, die Worttrunkenheit der Spielleute, die auserlesenen Genüsse wohlschmeckender Speisen und Getränke' liebte. |
| 727 |
Ca.: Entstehung des 'Liber Historiae Francorum' des Pseudo-Fredegar, in welchem die fränkischen Könige auf die Trojaner zurückgeführt werden. Hier wird auch der (völlig unhistorische) Sachsenkrieg des Chlothar erwähnt. Dem anonymen Autor wird erst im 16. Jh. der Name Fredegar zugeschrieben. |
| 729 |
'729 erschienen Kometen' [Lambert von Hersfeld] |
| 730 |
Ca.: In Deutschland wird Pergament verwendet. |
| 731 |
Nach dem Tode von Papst Gregor II. wird Gregor III. sein Nachfolger (bis 741). Auf einem Konzil in Rom verurteilt er den Bildersturm. |
| 732 |
Bonifatius verbietet auf Anordnung des Papstes des Essen von Pferdefleisch, weil es 'das Blut verunreinige und Aussatz erzeuge'. (vgl. 787) Karl Martell schlägt die Araber, die bereits Bordeaux belagert hatten bei Tours und Poitiers zurück. Bonifatius wird Erzbischof (wovon?). |
| 733 |
733 ereignete sich eine Sonnenfinsternis. [Lambert von Hersfeld] |
| 734 |
Ecgberht wird erster Erzbischof von York (bis 766). Sein Beicht- und Bußbuch verbietet heidnische Opfer oder Orakel, Zauberei und das Sammeln von Kräutern mit irgendwelchen Zauberformeln - ausgenommen mit christlichen Gebeten. |
| 735 |
Es stirbt Beda Venerabilis (geb. um 672), Werk: 'Historia ecclesiast. gentis Anglorum' (bis zum Jahr 731) |
| 740 |
Ca.: 'Senchas Mar', irischer Rechtskorpus. |
| 741 |
Bonifatius errichtet das Bistum Erfurt. Oktober: Karl Martell lebt ab. Das Frankenreich wird unter seine Söhne Pippin und Karlmann aufgeteilt. |
| 742 |
Hausmeier Karlmann verfügt, daß Geistliche weder kämpfen noch in den Krieg ziehen sollen - mit Ausnahmen: Fürsten dürfen einen oder zwei Bischöfe samt einigen Priestern auf einen Feldzug mitnehmen, Befehlshaber dürfen je einen Priester haben - zwecks Beichte und Buße. Zwischen Januar und März schreibt Bonifatius an Papst Zacharias: 'Meinem teuersten Herrn, dem mit dem Schmucke höchsten Priestertums bekleideten apostolischen Mann Zacharias Bonifatius, Knecht der Knechte Gottes. Wir gestehen, Herr und Vater, daß wir, nach der von Boten uns zugebrachten Kunde, daß Euer Vorgänger im Apostolat, Gregor, der Bischof des apostolischen Stuhls, von dem Zwange des Körpers befreit, zum Herrn eingegangen sei, nichts mit größerer Freude und höherer Befriedigung vernommen haben, als daß der höchste Richter Eurer väterlichen Gnade die Leitung der kirchlichen Satzungen und die Lenkung des Steuers des apostolischen Stuhls anvertraute |
| 742 |
April (eventuell erst 743): Bonifatius beruft eine Synode ein (Concilium Germanicum). Es nehmen die Bischöfe von Würzburg, Erfurt, Büraburg, Köln, Straßburg und Utrecht teil. Der Ort ist nicht bekannt, liegt jedoch im Machtbereich Karlmanns. Die Beschlüsse sind als Kapitular Karlmanns überliefert und werden auch in die Sammlung der Briefe des Bonifatius aufgenommen: 'Im Namen unsers Herrn Jesus Christus. Ich Karlmann, Herzog und Fürst der Franken, habe im Jahre 742 von der Geburt Christi am 11. Tag vor den Kalenden des Mai, unter dem Beirat der Knechte Gottes und meiner Großen die Bischöfe meines Reichs mit ihren Priestern in der Furcht Christi zu einem Konzil und einer Synode versammelt, und zwar den Erzbischof Bonifatius und Burghard, Regenfrid, Winta, Willibald, Dadanus und Edda mit ihren Priestern, um mit mir zu beratschlagen, wie das Gesetz Gottes und die kirchliche Ordnung, die unter den früheren Fürsten der Auflösung und dem Zusammenbruch verfielen, wieder herzustellen sei und wie das christliche Volk zum Seelenheil gelangen könne und nicht, von falschen Priestern verführt, zugrunde gehe. Nach dem Rat der Priester und meiner Großen setzten wir in den einzelnen Städten Bischöfe ein und bestellten über sie als Erzbischof den Bonifatius, den Gesandten des heiligen Petrus. Wir wollen, daß Jahr für Jahr eine Synode zusammentrete, um in unserem Beisein die Satzungen und Rechte der Kirche aufzufrischen und die kirchliche Ordnung zu verbessern. Entzogenes Kirchengut geben und stellten wir den Kirchen zurück. Falschen Priestern, ehebrecherischen und unzüchtigen Diakonen entzogen wir ihre kirchlichen Pfründen, setzten sie ab und verhielten sie zur Buße. Den Dienern Gottes untersagten wir es durchaus, Waffen zu tragen, zu kämpfen, zum Aufgebot und gegen den Feind zu ziehen, mit Ausnahme jener, die wegen des göttlichen Dienstes, das ist wegen der Feier des Meßopfers und der Mitführung der Reliquien der Heiligen, hierzu auserkoren sind, so zwar, daß der Fürst ein oder zwei Bischöfe und die Pfalzpriester in seinem Gefolge haben möge und jeder Heerführer einen Priester, der denen, die ihre Sünden bekennen, ihr Urteil sprechen und die Buße auferlegen soll. Allen Dienern Gottes untersagten wir auch das Jagen und das Herumstreifen in den Wäldern mit Hunden, ebenso das Halten von Habichten und Falken. Wir verordneten auch gemäß den heiligen Satzungen, daß jeder Priester innerhalb der Diözese dem Bischof, in dessen Sprengel er sich aufhält, untenan sein und in der Fastenzeit über seine Amtsführung, über die Taufen, die Lehre des katholischen Glaubens, die Gebets- und Meßordnung, dem Bischof immer Rechenschaft legen und vorweisen soll. Und so oft der Bischof nach kirchlichem Recht seine Diözese bereist, um dem Volk die Firmung zu spenden, soll der Priester mit Beihilfe und Unterstützung des Volkes, das gefirmt werden soll, stets bereit sein, den Bischof aufzunehmen. Und am Gründonnerstag soll er immer bei seinem Bischof das neue Salböl holen, um vor dem Bischof von seiner keuschen Lebensführung, seinem Glauben und seiner Lehre Zeugnis abzulegen. Wir beschlossen, daß fremde Bischöfe und Priester, von wo immer her sie zuwandern mögen, vor der Billigung durch die Synode zum Kirchendienst nicht zuzulassen sind. Wir verfügten ferner, daß nach den Satzungen jeder Bischof in seiner Diözese unter Beihilfe des Grafen, welcher der Schützer der Kirche ist, Sorge tragen soll, daß das Volk Gottes nichts Heidnisches treibe, sondern allen Unflat des Heidentums abstreife und verabscheue, als seien es Totenopfer, Losdeuterei, Zauberei, Amulette, Wahrsagerei, Beschwörungen oder Schlachtopfer, die einfältige Menschen nach heidnischem Brauch bei Kirchen unter dem Namen von heiligen Märtyrern und Bekennern vornahmen, wodurch sie den Zorn Gottes und der Heiligen herausfordern, oder jene gotteslästerlichen Feuer, die sie Niedfyor nennen, und er soll ihnen überhaupt jeglichen heidnischen Gebrauch, von welcher Art er sei, sorgsam verbieten. Wir beschlossen ferner, daß wer von den Dienern oder Dienerinnen Gottes nach dieser Synode, die am 11. Tag vor den Kalenden des Mai abgehalten wurde, in das Verbrechen der Unzucht fallen würde, dies mit Kerkerhaft bei Wasser und Brot büßen soll |
| 744 |
Bischof Gewilip von Mainz (hochadlig) verübt beim Verhandeln auf einer Weserinsel an dem sächsischen Mörder seines Vaters eigenhändig Blutrache. Pippin ordnet an, daß jede civitas einen Wochenmarkt abhalten soll. |
| 746 |
Bonifatius wird Bischof von Mainz. Einen letzten Aufstand der Alemannen kann Karlmann niederschlagen. Bei Cannstatt ordnet er eine Versammlung an: 'Dort wurde das Heer der Franken und Alemannen vereint. Es war dort ein großes Wunder, daß ein Heer das andere ergriff und fesselte ohne irgendeine Kriegsgefahr. Die aber, die die ersten waren mit Theudebald [Herzog der Alemannen] bei der Unterstützung des Odilo [Herzog von Bayern] gegen die unbesiegbaren Fürsten Pippin und Karlmann, nahm er fest und wies sie gnädig zurecht, wie es die einzelnen verdient hatten.' (Metzer Annalen) Das ('ältere') alemannische Herzogtum wird beseitigt. Dieses Ereignis wurde verschiendentlich, besonders in der älteren Literatur, als Massaker unter den Alemannen ('Blutgericht von Cannstatt') fehlgedeutet. |
| 747 |
Die fränkischen Bischöfe erkennen auf einer Generalsynode auf Veranlassung von Bonifatius die Autorität des Papstes an. Der karolingische Hausmeier Karlmann entsagt der Herrschaft und tritt unerkannt als Mönch ins Kloster Montecassino ein. Um nicht erkannt zu werden, gibt er sich als Mörder aus, der sühnen will. Er wird nun mit niedrigen Arbeiten überhäuft, und als ein Begleiter die Züchtigungen seines einstigen Herren durch den Koch nicht weiter mitansehen will und dessen Identität preisgibt, werfen sich ihm alle Mönche und der Abt sogleich zu Füßen. (nach Regino von Prüm, a. 747) |
| 748 |
Die Sachsen zahlen einen Tribut von 500 Rindern an die Franken. |
| 750 |
Ca.: Die Schreibschule von St. Martin in Tours benutzt als Schrift bereits eine fast ligaturenfreie Frühform der Minuskel. Ca.: Der arabische Alchimist Gabir ibn Haiyan (Geber) wendet erstmals die Kristallisation zur Reinigung chemischer Präparate an und beschreibt die Filtration. |
| 751 |
Die Araber erhalten von chinesischen Kriegsgefangenen Kenntnis von der Papierherstellung. 4. November: Papst Zacharias beantwortet in einem Brief einige kleinlich formalistische Fragen des romhörigen Bonifatius: 'Zunächst fragst du wegen der Vögel, das heißt der Dohlen, Krähen und Störche. Von deren Genuß sollen sich Christen vollständig enthalten. Und weit ängstlicher noch soll man sich hüten, von Bibern, Hasen und wilden Pferden zu essen', ungekochten Speck erst nach Ostern. Weiterhin sei der Kirchenzins rechtens (ein solidus pro Hof) und eine Taufe sei auch dann gültig, wenn sie irrtümlich mit der Formel 'in nomine patria et filia et spiritus sancti' gesprochen worden sei. |
| 752 |
Das Bistum Erfurt wird zugunsten des Erzbistums Mainz aufgehoben. |
| 754 |
Januar: Papst Stephan II. reist über die Alpen nach Ponthion (bei Chalons an der Marne) und übergibt Pippin III. 'in Sack und Asche' ein Schwert als Symbol der Schutzgewalt über 'St. Peter' (wahrsch. eine spätere Ausschmückung). Hier kommt erstmals ein Papst über die Alpen. 14. April (Ostern): Pippin hält einen Hoftag zu Carisiacum (Quierzy) ab. Dem (anwesenden) Papst werden die zu machenden Eroberungen als weltliche Herrschaft zugesichert ('Pippinsche Schenkung'). Pippin verschenkt hier Gebiete, die ihm gar nicht gehören und die, wenn nicht den Langobarden, rechtlich dem Kaiser zustehen, dessen Untertan der Papst eigentlich ist. Hier präsentiert der Papst nun das berüchtigte 'Constitutum Constantini', eine gefälschte Urkunde (wahrscheinlich kurz zuvor in Rom hergestellt), die sich auf die Silvesterlegende bezieht: Konstantin soll ursprünglich Verfolger der Christen gewesen, vom Aussatz befallen und von Papst Silvester geheilt und getauft worden sein. (Blanker Unfug: Konstantin wurde 337 auf dem Totenbett von Eusebius von Nikomedia, einem Arianer (!) getauft und war nie aussätzig, während Silvester schon 335 gestorben ist. Die Urkunde wird erst im 15. Jh. von Valla als Fälschung entlarvt.) Diese Urkunde nun soll von Konstantin an Silvester gerichtet sein und als Dank für die wundersame Heilung dem Silvester Rom und das ganze Abendland geschenkt haben, samt Primat über alle Priester, die Patriarchate von Antiochia, Alexandria, Jerusalem und Byzanz. Dem römischen Bischof werden alle Abzeichen kaiserlicher Würde gestattet und ihm kaiserlicher Rang eingeräumt. 28. Juli: Pippin erhält, wie auch seine Söhne, vom Papst neben Salbung und Königskrönung den Titel eines Patricius Romanorum, den bis 751 der Exarch von Ravenna geführt hat. Dieser offene Rechtsbruch bedeutet die tatsächliche Trennung von Byzanz. Der Papst verbietet den Franken unter Androhung von Kirchenstrafen, jemals Könige anderer Abkunft zu wählen und nennt den Pippin seither 'Gevatter'. Jener nun macht die Zehntzahlung an den Klerus zum Staatsgesetz und verlangt für kirchliches Leihgut gar den Doppelzehnten. Die Friesen erschlagen bei Dokkum den Bonifatius samt 52 Begleitern. Dies muß man sich durchaus als ein Gefecht vorstellen (Vita Bonifatii: 'Waffen gegen Waffen'). |
| 755 |
Das fränkische Heer wird erstmals nicht mehr auf einem Märzfeld, sondern auf einem Maifeld gemustert. Dies deswegen, weil nun viele Krieger beritten sind und die Pferde erst im Mai ausreichend Futter für den Marsch zum Sammelplatz finden. Erste Erwähnung von 'Salzpurch'. Hier ist der Ire Virgil seit sechs Jahren Bischof. |
| 756 |
Byzanz schickt eine Gesandtschaft an Pippin |
| 757 |
MGH, SS I, 28), was großen Eindruck macht, weil es solcherlei im Frankenreich nicht gibt. '756 wurden zuerst Orgeln aus Griechenland an Pippin geschickt.' [Lambert/ Hersfelder Annalen] |
| 757 |
26. April: Papst Stephan II. stirbt. |
| 758 |
Der Tribut der Sachsen an die Franken wird nun nicht mehr in Rindern erhoben, sondern besteht aus 300 Pferden: '758 legte Pippin den überwundenen Sachsen die Abgabe auf, daß sie alljährlich 300 Pferde liefern sollten.' [Lambert/Hersfelder Annalen] |
| 760 |
Im Frankenreich ist vermutlich die Sanduhr bekannt, doch bis etwa 1300 selten. |
| 763 |
'Es war aber damals ein so strenger Winter, daß man keiner ähnlichen Kälte sich von früheren Jahren her zu erinnern wußte.' [Reichsannalen] In Südwürttemberg ist eine Dreifelderfolge belegt. Gründung des Benediktinerklosters Lorsch. /764: Lex Salica. |
| 764 |
'764 hielt Pippin eine große Versammlung zu Carisiagus, und es war ein sehr harter Winter.' [Lambert/Hersfelder Annalen] |
| 765 |
Fränkischer Königshof bei Aachen. |
| 766 |
In Konstantinopel gibt es ein reichhaltiges Warenangebot und niedrige Preise - nur durch rigorose Ausplünderung der Landbevölkerung |
| 767 |
Letztes Auftreten der Pest, und zwar in Neapel. |
| 768 |
Nach dem Tode Pippins III. wird Karl (später der Große) König der Franken. 7. August: Neuer Papst wird Stephan III. Ca.: Bischof Aribo von Freising-München verfaßt eine Vita des Hl. Korbinian und wird dadurch zum ersten Geschichtsschreiber Bayerns (wenn man denn Heiligenviten zur Geschichtsschreibung rechnen will). |
| 770 |
Ca.: Laut einem Kapitular Karls stehen ab jetzt dem Grafen als Gerichtsherrn die Schöffen für die Urteilsfindung zur Seite. Bis 790: Im Kloster Monte Cassino verfaßt Paulus Diaconus die 'Historia Langobardorum'. |
| 772 |
Beginn der Sachsenkriege Karls. |
| 774 |
24. September: Die Reliquien des hl. Rupert werden aus Worms nach Salzburg überführt und der dortige Dom zu Ehren Ruperts geweiht. Die Salzburger Kirche erhält durch Schenkungen der bayerischen Herzöge (Agilolfinger) reichen Besitz in Bayern. Die Franken bereiten dem Reich der Langobarden in Italien ein Ende. Karl wird zusätzlich König der Langobarden. /775: Im Frankenreich sind mehrtägige Märkte bezeugt. |
| 775 |
Ca.: Die Urteilsfindung der Grafengerichte wird Schöffen übertragen. |
| 776 |
Papst Hadrian I. klagt in einem Schreiben an Karl, daß er weder Schiffe noch Mannschaften habe, um gegen den Sklavenhandel an der Küste Latiums vorzugehen. |
| 777 |
'Hammelburger Markbeschreibung': Aufzeichnung der Einweisung des Abtes Sturmi von Fulda in ein von Karl der Abtei geschenktes Landstück (Zentrum Hammelburg) durch zwei Grafen, zwei Königsvasallen und zahlreiche Zeugen am 8. Oktober. Es ist das Protokoll eines Grenzumganges, wobei volkssprachliche Flurnamen in den lateinischen Text eingehen. (Als Kopie der 1. Hälfte des 9. Jhs. erhalten) |
| 778 |
15. August: Auf einer fränkischen Expedition nach Spanien fällt Markgraf Hroudland aus der Bretonischen Mark (aus der Familie der Widonen), der Held der späteren Rolandssagen. 'Er [Karl] überquerte die Pyrenäen und eroberte alle Städte und Burgen, die er belagerte. Dann kehrte er ohne Verluste um. Auf dem Rückmarsch über die Pyrenäen mußte er allerdings doch noch die Treulosigkeit der Basken [Vascones] erleben. Diese Gegend ist wegen ihrer dichten Wälder für Überfälle aus dem Hinterhalt sehr geeignet. Als die Armee - die engen Bergpfade ließen es nicht anders zu - in einer lang ausgestreckten Reihe daherzog, griffen die Basken, die sich auf einer sehr hohen Bergspitze versteckt hatten, hinten die Gepäckkolonne und die sie schützende Nachhut an und drängten sie, von oben heranstürzend, ins Tal hinunter. In dem darauffolgenden Gemetzel wurden die Franken bis auf den letzten Mann niedergemacht. Die Basken plünderten das Gepäck und zerstreuten sich dann unter dem Schutz der hereinbrechenden Nacht in alle Richtungen. Durch ihre leichte Bewaffnung und wegen der günstigen Beschaffenheit des Kampfplatzes waren sie in diesem Gefecht sehr im Vorteil |
| 780 |
Es stirbt Abt Maurdramnus von Corbie. In der Entwicklung der Schrift ist der sog. Maurdramnus-Typ von Corbie das früheste Beispiel der karolingischen Minuskel. Diese Schift ersetzt (z.T. planmäßig) die Halbunziale. Bis 783: Willehad missioniert in Sachsen. 781/785: Das 'Capitulare de partibus Saxoniae', ein äußerst strenges Gesetz soll die Christianisierung der Sachsen sichern: '1. Alle stimmten zu, daß den Kirchen, die in Sachsen gebaut werden und Gott geweiht sind, nicht nur keine geringere, sondern größere und vorzüglichere Ehre erwiesen werde als den Heiligtümern der Götzen. 2. Sucht einer Zuflucht in der Kirche, so nehme sich keiner heraus, ihn mit Gewalt daraus zu vertreiben, sondern jener habe Frieden, bis er vor Gericht gestellt wird |
| 782 |
Karl läßt zu Verden an der Aller 4500 Geiseln der aufständischen Sachsen über die Klinge springen (ob diese Zahlen realistisch sind, sei - wie immer - dahingestellt.) Der Angelsachse Alkuin wird Karls Berater. Beispiel für eine gescheiterte Reiterattacke auf einen sächsischen Schildwall: Die Legaten Karls des Großen, Adalgisus und Gielo greifen (mit Maximalgeschwindigkeit) die Sachsen im Süntal vor deren Lager an, sind bald umzingelt und kommen mit fast ihrer gesamten Truppe um. (Vgl. 626) |
| 784 |
Es stirbt der fränkische Mönch Ambrosius Autpertus, Verfasser des Werkes 'Vom Streit der Laster und Tugenden'. |
| 786 |
'Es wurden auch viele Wunderzeichen gesehen. Denn das Zeichen des Kreuzes erschien an den Kleidern der Menschen, und Blut floß aus dem Himmel und der Erde.' [Lambert von Hersfeld] |
| 787 |
'Und es ereignete sich eine Sonnenfinsternis.' [Lambert von Hersfeld] Auf dem Konzil von Celeyth wird das Verbot, Pferdefleisch zu essen erneuert, wobei nebenbei erwähnt wird, daß es sich dabei auch um die Bekämpfung eines heidnischen Brauches ginge, denn Pferde würden zu Ehren Odins geopfert und verzehrt. Auf dem Konzil von Nikäa wird der Ikonoklasmus (Bildersturm) verworfen. Der Erzbischof von Mailand gründet ein Findelhaus für Kinder bis 8. |
| 788 |
Reichsversammlung zu Ingelheim: Herzog Tassilo von Bayern wird abgesetzt und ins Kloster gesteckt |
| 789 |
Karl der Große verfügt (wie auch 802 wieder), 'daß Bischöfe und Äbte und Äbtissinnen keine Hundemeuten halten sollen, auch keine Falken noch Jagdvögel noch Spielleute.' Weiterhin verfügt er, daß Nonnen oder geweihte Frauen, die ohne feste Regelordnung in kleinen Klöstern leben, keine 'winileodos' (wörtlich etwa: Liebeslieder) anfertigen dürfen. Das althochdeutsche 'Winileod' bedeutet in den Glossen auch volkstümliche Gesänge (plebeii psalmi), weltliche Lieder (seculares cantilenae), 'ungebildete Gesänge, deren Inhalt nicht verbürgt ist' (rustici psalmi sine auctoritate), 'ungebildete und alberne Lieder' (cantica rustica et inepta). Des weiteren wird die Sonntagsarbeit verboten: 'Wir bestimmen auch..., daß an Sonntagen keine Knechtsdienste (opera servilia) betrieben werden..., daß die Männer keine Landarbeit leisten, nicht den Weinberg bebauen, noch auf den Feldern pflügen, mähen, Heu schneiden oder Zäune errichten, noch in den Wäldern roden oder Bäume fällen, noch in Steinbrüchen arbeiten, Häuser errichten oder im Garten arbeiten. [Erlaubt sind nur Fuhrdienste im Krieg, zur lebenswichtigen Versorgung oder für ein Begräbnis.]...Ebenso sollen die Frauen am Sonntag keine Textilarbeit leisten, noch Kleider zuschneiden, nähen oder sticken, noch Wolle rupfen, Flachs dreschen, öffentlich Kleider waschen oder Schafe scheren.' Der zum Hofkreis Karls gehörende irische Dichter Dungal beschreibt es in einem Preislied auf die Unterwerfung des bayerischen Herzogs Tassilo als Aufgabe der Dichtkunst, die 'berühmten Taten der alten Könige' zu besingen. |
| 790 |
Ca.: Bau der Kaiserpfalz zu Ingelheim. |
| 792/793 |
: Hungersnot im Frankenreich (oder Teilen davon). |
| 793 |
Die Wikinger plündern das Kloster Lindisfarne. Ca.: Möglicherweise im Zusammenhang mit der kürzlich erfolgten Hungersnot entsteht (zu einem unklaren Zeitpunkt) das 'Capitulare de villis', ein Kapitular über die Organisation der königlichen Grundherrschaft: 'l. Wir befehlen: Unsere Krongüter, die wir eingerichtet haben, unseren Hofhalt zu beliefern, sollen allein unserem Bedarf dienen und niemandem sonst. 2. Unsere Hofleute sollen wohl versorgt und von niemand in Schuldknechtschaft gebracht werden. 3. Die Amtmänner sollen sich hüten, unsere Hofleute in ihren eigenen Dienst zu stellen |
| 794 |
Ein Ergebnis der Synode von Frankfurt: 'Gott kann in jeder Sprache angebetet werden.' Dabei wird Frankfurt ('Villa Franconovurd') erstmals erwähnt. |
| 795 |
Im 'capitulare de villis vel curtis imperii' Ludwigs von Aquitanien wird verordnet, daß jeder Meierhof Feuerwachen haben soll. Die Wikinger plündern erstmals in Irland. Karl ernennt seinen Hofkaplan Hildebold zum ersten Erzbischof von Köln. |
| 796 |
Alkuin geht als Abt nach Tours. Karl beschwert sich in einem Brief an König Offa von Mercia über die aus England gelieferten kurzen Mäntel ('Friesenmäntel'): 'Was nützen diese kleinen Fetzen? Im Bett kann ich mich nicht damit zudecken, auf dem Pferd kann ich mich nicht gegen Wind und Regen schützen, und wenn ich austreten muß, komme ich um, weil mir die Beine erstarren.' Diese Mäntel werden freilich nur vom Adel getragen. |
| 797 |
Alkuin schreibt an den Bischof von Lindisfarne: 'Das Wort Gottes soll beim Mahl der Geistlichen gelesen werden. Es ziemt sich, dort den Vorleser zu hören, nicht den Harfenspieler, die Predigten der Väter, nicht die Lieder der Heiden.' Das strenge 'Capitulare de partibus Saxoniae' von 781/785 wird durch ein milderes Gesetz abgelöst. Die meisten heidnischen Vergehen, für die den Sachsen die Todesstrafe drohte, können nun, wie im Frankenreich allgemein üblich, durch Geldstrafen abgegolten werden. |
| 798 |
Salzburg wird Erzbistum. |
| 799 |
Die Wikinger beginnen, die friesisch-sächsische und die aquitanische Küste zu verheeren. Es stirbt Paulus Diaconus. Bilk wird erstmals erwähnt (heute ein Stadtteil von Düsseldorf). Karl gründet die Pannonische oder Karolingische Mark (Ostmark), die bis zur Raab reicht und von Siedlern aus Bayern und Salzburg kolonisiert wird. /800: Das Konzil von Reisbach verfügt: 'Kommt es zu einem Streit zwischen Mann und Frau über den ehelichen Beischlaf, weil sie abstreiten, miteinander fleischlich zu verkehren, so hat die heilige Synode folgendes entschieden: Wenn der Mann bestreitet, das an der Frau vollzogen zu haben, so soll er mit ihr die Kreuzesprobe ablegen |
| 800 |
1. Hälfte 8. Jh.: Älteste erhaltene Pergamenturkunden in Italien (langobardisch). |
| 800 |
Höhepunkt der fränkischen Staatskolonisation. In den Marschen Nordwestdeutschlands entstehen kleinere Wurten als Tochtersiedlungen der Dorfwurten mit Weilern und Einzelhöfen. In Nordhessen beginnt die Besiedlung in die Berglandschaften einzudringen. Aus dem 8. Jh. sind etwa 1800 erhaltene Handschriften bekannt. |
| 800 |
8. und 9. Jh.: Das bayerische Kloster Niederalteich rodet im Lallinger Winkel und das Kloster Metten rodet im Vorwald. Verstärkte Besiedlung des östlichen Rheinischen Schiefergebirges. Höhepunkt des sächsischen Südvorstoßes in dessen nordöstlichen Teil. |
| 800 |
25. Dezember: Karl wird in Rom zum Kaiser gekrönt (nicht zuletzt, weil Byzanz gerade ohne Kaiser ist). [Wenn bisher von Kaisern die Rede war, so waren stets byzantinische Kaiser - die einzigen - damit gemeint. Fortan wird differenziert.] Ca.: Entstehung von Emden, einer einstraßigen Wurtensiedlung aus Handwerker- und Händlerhäusern (zu klein für Bauernhäuser) nebst einer Holzkirche. |
| 800 |
Ca.: Karl läßt Inventare anlegen, in denen für jeden einzelnen Hof des Königs oder der Kirche der Bestand an Vieh und Gerät aufgenommen wird. Einige davon sind zufällig in derselben Sammelhandschrift erhalten, in der sich auch das 'Capitulare de villis' befindet. Hier das Inventar eines Fronhofes: 'Wir fanden [auf der Insel Stefanswert] einen Fronhof und einen Eigenhof, der mit den übrigen Gebäuden obengenannter Kirche gehört. Zu dem Fronhof gehören 740 Tagewerk Ackerland und Wiesen mit einer Ertragsfähigkeit von 610 Fuder Heu. An Getreide fanden wir nichts außer den dreißig Fudern, die wir den Pfründnern gegeben haben |
| 800 |
Ca.: Als Zuggeschirr ist das Kummet bekannt. |
| 800 |
Ca.: Mönche bringen die Edelrose nach Mitteleuropa. |
| 800 |
Ca.: Harun al Raschid läßt seine Kanzleien in Bagdad von Papyrus bzw. Pergament zum Papier übergehen. Die Araber verwenden als Grundstoff für die Papiererzeugung Hadern aus Linnen oder Hanf. Sie haben ein besseres Stampfverfahren (als die Chinesen) sowie die Stärkeleimung erfunden. |
| 801 |
Karl läßt die Statue Theoderichs d. Gr. von Ravenna nach Aachen überführen und läßt sie vor der Aula seines Palastes aufstellen. |
| 802 |
Byzanz hat wieder einen Kaiser (Nikephoros I.), welcher Karls Kaisertum nicht anerkennt. Karl läßt sich von allen Untertanen ab dem zwölften Lebensjahr Treue schwören. Juli: Eine arabische Gesandtschaft von Harun al-Rashid erreicht Aachen. Nebst anderen wertvollen Geschenken bringen sie auch einen leibhaftigen Elefanten mit. Dies ist seit der Römerzeit der erste Elefant, der die Alpen überquert hat. Er heißt Abul Abbas (nach dem Ahnherrn der Abbasiden) und sein Treiber ist der nordafrikanische Jude Isaak. Sie waren im letzten Jahr aufgebrochen und hatten in Vercelli (am Lago Maggiore) überwintert. Der Elefant wird nun bei Karls Reisen und Auftritten mitgeführt (bis 803 oder 804). |
| 803 |
'In diesem Jahr geschah ein Erdbeben zu Aachen.' [Xantener Annalen] 'In diesem Winter ward im Palast [in Aachen] und in der Umgegend ein Erdbeben verspürt, auf das dann eine große Sterblichkeit folgte.' [Reichsannalen] |
| 804 |
Erste Erwähnung von Haithabu (dänisch: Hedeby, angelsächsisch: aet haethum, bedeutet 'Siedlung auf der Heide'), gegründet gegen Ende des 8. Jhs. unter dem Einfluß des Dänenkönigs Göttrik an einer Bucht am Ende der Schlei (Schleswig-Holstein). Bei Karls Feldzug gegen die Friesen wird auch der Elefant mitgeführt (siehe 802), um den Feind einzuschüchtern, aber dummerweise ertrinkt das Tier beim Rheinübergang. Nach einem Bericht soll seine Leiche den Rhein hinunter getrieben sein |
| 805 |
Im Diedenhofener Capitulare wird Erfurt (Erphisfurt) als einer der wenigen erlaubten Grenzhandelsplätze mit den Slawen und Awaren erwähnt. |
| 806 |
Frühe Burgen: In Halle (Halla) wird eine Burg errichtet (1484 überbaut. Quelle: Chronicon Moissiacense). |
| 807 |
Eine Gesandtschaft von Harun al Raschid überbringt Karl eine kostbare Wasseruhr. '807 herrschte sehr große Sterblichkeit in Fulda.' [Lambert von Hersfeld] |
| 808 |
'In diesem Jahre war ein sehr weicher und ungesunder Winter.' [Xantener Annalen] 'Der äußerst milde Winter war damals sehr ungesund, und so zog der Kaiser als der Frühling anbrach nach Neumagen |
| 809 |
Karl ordnet in einem Kapitular an, daß an denjenigen Orten, an denen öffentliche Gerichte abgehalten werden, ein solches Dach errichtet werden soll, daß es möglich sei, im Sommer wie im Winter dort Gericht zu halten. Dies ist der erste Hinweis darauf, daß Gerichte nicht nur im Freien abgehalten werden. |
| 810 |
'Sonne und Mond verfinsterten sich, die Sonne am 8. Juni und der Mond am 21. Juni. Und König Pippin, des Kaisers Sohn, starb, und der Elefant, welchen Aaron dem Kaiser geschickt hatte, verschied eines plötzlichen Todes, und es war in diesem Jahre eine große Sterblichkeit unter den Rindern und anderen Tieren, und ein sehr harter Winter.' [Xantener Annalen] Die Fränkischen Reichsannalen berichten von einer Rinderpest im ganzen Reich. Bald entsteht das Gerücht, Herzog Grimoald IV. von Benevent habe Leute gesandt, um mittels eines Pulvers das Vieh zu vergiften. Nach Agobard (siehe 816) sollen einige verhaftet und einige mit Brettern ertränkt worden sein und die Verhafteten sollen auch noch ihre Taten gestanden haben. [Diese Fälle von - illegaler - Lynchjustiz werden gerne als frühe Fälle von Hexenverfolgungen gewertet, doch sollte man dies differenziert sehen. Hier treten aber früh Vorstellungen von Giftpulvern auf, die bis mindestens ins 17. Jh. immer wieder aufgegriffen werden.] König Godfred (Göttrik) von Dänemark erklärt, er werde nach Aachen marschieren und die Pfalz Karls des Großen niederbrennen. Mit 200 Schiffen landet er in Friesland, kassiert dort 100 Pfund Silber und bereitet wirklich einen Zug gegen Aachen vor, doch dann wird er ermordet. In Dänemark brechen Thronstreitigkeiten aus. Venedig, bisher zwischen Franken und Byzanz umstritten, wird praktisch unabhängig. Ca. (oder 820 oder in der 830ern): In Fulda entsteht die einzig überlieferte Handschrift des Hildebrandsliedes, abgeschrieben nach einer bairischen Vorlage, welche ihrerseits auf langobardische Vorbilder des 7. Jhs. zurückgeht. Überliefert als Schreibübung zweier Mönche. |
| 812 |
Byzantinische Gesandte bringen Karl d. Gr. die Anerkennung seines Kaisertums nach Aachen. Als Gegenleistung räumen die Franken Istrien, Dalmatien, Liburnien und Venetien. Die fränkischen Besitzungen in Italien werden wieder für den venezianischen Handel geöffnet und Venedig zahlt der fränkischen Regierung in Pavia einen jährlichen Tribut von 36 Pfund Silber. Ca.: Einführung des Mandelbaumes in Mitteleuropa. |
| 813 |
Die Synode von Tours weist die Kleriker eindringlich an, 'die Unverschämtheiten der Spielleute und ihrer häßlichen und widerlichen Vergnügungen...aus ihrem Sinn zu verbannen.' Die Synode von Châlons im gleichen Jahre fügt noch hinzu, die Geistlichen mögen doch allen Gläubigen empfehlen, die Darbietungen der Spielleute zurückzuweisen. Auch auf dem Konzil zu Mainz wird der Beruf des Spielmanns verboten. Hier wird auch verfügt: 'Wer eine Ehefrau hat, darf, wenn er gleichzeitig eine Konkubine hält, nicht am Abendmahl teilnehmen. Wer aber eine Konkubine an Stelle einer Ehefrau hat, dem soll das Abendmahl nicht verweigert werden, doch sei er mit der Verbindung zu einer einzigen Frau, als Ehefrau oder Konkubine, so wie es ihm beliebt, zufrieden.' Die erst kürzlich durch Karl in Mainz auf römischen Pfeilern erbaute feste Holzbrücke brennt ab. (Mainz wird erst 1904 wieder eine feste Rheinbrücke haben |
| 814 |
28. Januar: Karl der Große stirbt. Sein Sohn und Nachfolger Ludwig (später 'der Fromme' genannt), steht unter dem Einfluß geistlicher Berater. |
| 816 |
Neuer Papst wird Stephan IV. (bis 817). Er wird ohne kaiserliche Bestätigung geweiht und ist bemüht, den Frieden mit Ludwig I. wiederherzustellen. Ludwig der Fromme wird in Reims durch Papst Stephan IV. zum Kaiser gekrönt. Aachener Kapitularien. Dazu der anonyme Biograph Ludwigs des Frommen: 'Da endlich fingen Bischöfe und Geistliche an, den Gürtel, welcher mit goldenem Schwertgehänge und edelsteingeziertem Messer beschwert war, abzulegen, und köstliche Gewänder sowie Stiefel und Sporen kamen bei ihnen aus dem Gebrauch.' Bericht über Aberglauben aus dem bald nach 816 verfaßten Büchlein 'Über Hagel und Donner' von Erzbischof Agobard von Lyon: 'Hierzulande glauben fast alle Menschen, Adel und Volk, Stadt und Land, Alt und Jung, daß Hagel und Donner von Menschen gemacht werden können. Sie sagen nämlich, sobald sie Donner hören und Blitze sehen: 'Das ist Hebewetter.' Wenn man sie dann fragt, was Hebewetter sei, versichern die einen verschämt und mit etwas schlechtem Gewissen, die anderen aber so zuversichtlich, wie Unkundige gewöhnlich sind, der Sturm habe sich erhoben aufgrund der Zaubersprüche von Leuten, die Wettermacher heißen, und werde deshalb Hebewetter genannt. Ob das wahr ist, wie man im Volk glaubt, muß sich mit der Autorität der Heiligen Schrift beweisen lassen. Wenn es aber nicht wahr ist, wie wir ohne Schwanken glauben, muß mit größtem Nachdruck hervorgehoben werden, daß sich derjenige einer ganz großen Lüge schuldig macht, der Gottes Werk einem Menschen zuschreibt... Wir haben es ja gesehen und gehört, wie die meisten von solchem Wahnsinn gepackt, von solcher Dummheit besessen sind, daß sie glauben und sagen, es gebe ein Land namens Magonia. Aus dem kämen Schiffe in den Wolken gefahren |
| 817 |
Eine fränkische Kleiderordnung zeigt für die Patres der Klöster ein Fülle von Einzelteilen: Strümpfe, Unterhosen (!) [ist das denn korrekt übersetzt?], pelzgefütterte Mäntel, Gamaschen, Fingerhandschuhe und Fäustlinge. Pelzmäntel, Umhänge und Kopfbedeckungen werden alle drei Jahre erneuert, wobei die abgetragenen Stücke an die Armen im Klosterhospital fallen sollen. |
| 818 |
Irmingard, die erste Frau Ludwigs des Frommen stirbt. /819: Nach einer Verfügung (Ludwigs) wird bei einem Gegensatz zwischen Gewohnheitsrecht und Lex Salica im Zweifelsfall nicht nach geschriebenem Recht, sondern nach Brauch der Altvorderen verfahren. Ein Kapitular aus der gleichen Zeit bestimmt in Ergänzung bestehenden Volksrechtes, 'daß jeder freie Mann das Recht haben soll, sein Vermögen zum Heil seiner Seele nach freiem Willen zu verschenken'. |
| 819 |
Ludwig der Fromme heiratet Judith, die Tochter des einflußreichen Grafen Welf. Der Aufstieg dieser alemannischen Adelsfamilie wird dadurch entscheidend gefördert. |
| 820 |
Ein Verband aus 13 Drachenschiffen läuft von den dänischen Inseln aus |
| 821 |
/822: '...und es war ein sehr harter Winter.' [Xantener Annalen] /822: 'Die Herbstsaat konnte wegen des anhaltenden Regenwetters in mehreren Gegenden nicht vorgenommen werden. Darauf folgte ein ungemein langer und strenger Winter, bei dem nicht allein die Bäche und mittleren Flüsse, sondern selbst die größten und bedeutendsten, der Rhein und die Donau, die Elbe und die Seine, sowie die andern dem Ozean zufließenden Ströme Galliens und Deutschlands mit einer so starken Eisdecke überzogen wurden, daß dreißig Tage oder noch länger Frachtwagen wie auf einer Brücke herüber und hinüber fahren konnten. Später verursachte dann der Eisgang den am Rhein gelegenen Orten nicht geringen Schaden.' [Reichsannalen] /822: Das Kloster Reichenau verfügt nach Reginberts Verzeichnis über 415 Bücher. |
| 822 |
'Im Lande der Thüringer fand man in der Nähe eines Flusses ein fünfzig Fuß langes, vierzehn Fuß breites und sechs Fuß hohes Erdstück ohne Menschenhände herausgehoben und fünfundzwanzig Fuß von dem Orte, von welchem es entnommen war, entfernt liegen. Ein ähnlicher Fall begab sich im östlichen Sachsen nicht weit von der Grenze der Soraben, an einem wüsten Ort in der Nähe des Sees, der Arnseo heißt, wo der Boden wie zu einem Damm sich aufblähte und während einer einzigen Nacht ohne menschliche Beihilfe in der Länge einer Leuga einen Wall bildete.' [Reichsannalen] Der arabische Musiker und Sänger Ziryab (789 in Mesopotamien geboren) wandert nach nach großen Erfolgen in seiner Heimat und in Nordafrika (auf der Flucht vor Neidern oder dergleichen) nach Andalusien aus. Dort empfängt ihn der junge Emir Abd ar-Rahman II. mit großer Achtung und verschafft ihm eine ansehnliche Pension, ein großes Haus und Ländereien in Spanien. Es heißt, es sei Ziryab gewesen, der an der Laute eine fünfte Saite angebracht und als erster ein Plektron zum Spielen benutzt habe. Er wird bald am Hofe tonangebend und findet an den Sitten der ihrem Ursprung nahegebliebenen arabisch-berberischen Hofgesellschaft einiges auszusetzen. Er lehrt die Rafinessen des Hofes von Bagdad: eine peinlich genaue Reihenfolge der Mahlzeiten (mit Zeitplan), Tischdecken aus weichem Leder, erlesene Weinbecher (!), daneben Körperpflege, Schminken, Zähneputzen, Frisieren, Anpassung von Kleidung und Farben an die Jahreszeiten, Raumausstattung und Schachspiel. |
| 823 |
In Sachsen sollen durch vom Himmel herabfallende Steine (einen Meteoritenregen) 35 Dörfer in Brand gesteckt worden sein. |
| 824 |
'Inzwischen war ein strenger und sehr langer Winter, in dem nicht allein viele Tiere, sondern auch manche Menschen erfroren. Am fünften März war in der zweiten Stunde der Nacht eine Mondfinsternis.' [Reichsannalen] |
| 825 |
Ludwig der Fromme definiert den Silberdenar: Von nun an sollen aus einem Pfund Silber (ca. 490 Gramm) 240 Münzen geprägt werden. Dicuils Geographie 'De mensura orbis terrarum' entsteht am fränkischen Hof. Dungal lehrt in Pavia. Altsächsische Genesis. |
| 826 |
Ansgar, der 'Apostel des Nordens' (801 bis 865) begleitet auf Befehl Ludwigs des Frommen den getauften Dänenkönig Harald, zwecks Mission. |
| 827 |
Mit einer weiteren Welle von Arabern kommt bald der Anbau von Baumwolle nach Sizilien (daneben auch Rohrzucker, Maulbeerbäume und Palmen). |
| 829 |
Auf der Pariser Reformsynode werden die 'Possen', die 'törichten Reden' und 'widerlichen Vergnügungen' der Spielleute verurteilt. Zauberer und Hexen werden zu Werkzeugen des Teufels erklärt. Die Zinssatzung wird - wie auch später wiederholt - für wucherisch erklärt. Bei diesem Geschäft stellt der Gläubiger dem Schuldner einen Geldbetrag zur Verfügung und erhält dafür fruchttragende Güter (z.B. einen Acker, Weinberg oder eine Mühle) als Pfand. Solange die Schulden nicht zurückgezahlt werden, streicht der Gläubiger die Erträge als Zinsen ein. (Vgl. 1163) Reichstag zu Worms: Ludwig der Fromme überträgt seinem jüngsten Sohn Karl ('dem Kahlen' - weil bisher ohne Erbteil) ein eigenes Herrschaftsgebiet: die Kerngebiete von Lothars Anteil in Schwaben, Elsaß und Burgund. Lothar wird ausgebootet und nach Italien verbannt. |
| 830 |
Mähren: Fürst Moimir gründet das Großmährische Reich. Lothar, Pippin und Ludwig, die Söhne Ludwigs des Frommen rebellieren gegen ihren Vater. Judith wandert ins Kloster. Bis 850: Vielleicht in dieser Zeit entsteht die Hersfelder Handschrift von Tacitus' 'Germania', die einzige, die erhalten ist. (vgl. 1455) |
| 831 |
Ansgar (Anschar, der 'Apostel des Nordens') gründet das Bistum Hamburg, gestiftet von Ludwig dem Frommen. Er selbst wird gleich der erste Bischof. Später wird man ihn heiligsprechen. |
| 832 |
Bis zu diesem Jahre ist in der kaiserlichen Kanzlei die Griechische Indiktion üblich. Die Indiktion ist eine der häufigsten Jahresbezeichnungen des Mittelalters. Es handelt sich um einen Zyklus von 15 Jahren (durch Justinian gesetzlich vorgeschrieben), wobei meist nur die Zahl des Jahres im Zyklus angegeben wird. Der erste Zyklus wird ab 3 v. Chr. gezählt. Gemäß der Griechischen Indiktion findet der Wechsel des Indiktionsjahres am 1. September statt. Ansgar gründet in Haithabu die erste Kirche Skandinaviens. Erste Erwähnung der Hammaburg (Hamburg). Hamburg wird in diesem Jahr zum Erzbistum erhoben. Die Xantener Annalen berichten zu diesem Jahr, wie auch schon für das Vorjahr, von einer Mondfinsternis. Die häufigen Sonnen- und Mondfinsternisse der Chroniken können freilich nicht alle realen astronomischen Erscheinungen entsprechen. (Letztere werden bei Gelegenheit noch mit genauen Daten eingefügt werden.) |
| 833 |
Auf dem 'Lügenfeld' bei Colmar läuft Ludwigs Heer zu seinen Söhnen über. Das Kloster Corvey erhält das Marktrecht und das Münzprivileg. |
| 834 |
Entstehung des Utrecht-Psalters. Darin ist erstmals ein rotierender kurbelgetriebener Schleifstein abgebildet (in China schon lange bekannt). Es ist gleichzeitig auch die erste Abbildung einer Kurbel im Westen. Die Dänen verwüsten weite Teile von Friesland, 'dann zogen sie über Utrecht nach dem Handelsplatz Dorestad, wo sie alles verheerten, die Einwohner teils töteten, teils als Gefangene fortführten und einen Teil der Stadt durch Feuer zerstörten.' |
| 835 |
Februar: Die Xantener Annalen berichten wiederum von einer Mondfinsternis. Beginn der Überfälle dänischer Wikinger in jährlich steigender Stärke. Sie verwüsten erneut Dorestad und zerstören das Kloster Noitmoutier, welches in diesem Jahr endgültig aufgegeben wird. |
| 836 |
'Im Monat Februar bei Beginn der Nacht waren wunderbare Lichtstreifen von Osten nach Westen sichtbar. Wiederum brachen in diesem Jahr die Heiden über die Christen herein.' [Xantener Annalen] Die Dänen brennen Antwerpen nieder, ebenso Witla an der Maasmündung und treiben in Dorestad Tribut ein. Erzbischof Agobard von Lyon klagt: 'Betrunken macht man die Histrionen, die schnödesten Mimen und nichtsnutzigsten Spielleute, während die Kranken der Kirche Hungers sterben.' |
| 837 |
Beginn starker Wikingeraktivität in Irland (bis 876) |
| 838 |
'Der Winter war sehr regenreich und stürmisch, und im Monat Januar am 21. wurde Donner gehört, und ähnlich im Monat Februar am 16. wurde starker Donner gehört, und übermäßig verbrannte die Sonnenhitze die Erde |
| 839 |
'Am26. December erhub sich ein ungeheuerer Wirbelwind, so daß die Fluten des Meeres weit austraten über ihre Grenzen und Ufer, und kläglich einen unzähligen Haufen vom Menschengeschlecht in den herumliegenden Höfen und Weilern zugleich mit den Gebäuden wegrafften. Auch Flotten auf dem Meer wurden auseinandergerissen und eine Feuerflamme wurde über das ganze Meer hin gesehen. In demselben Jahre am 25. März erschienen wunderbare Lichtstreifen gegen Abend am Himmel, in Form eines runden Domes, welche den ganzen Umkreis des Himmels umzogen.' [Xantener Annalen] Die Dänen suchen erneut Walcheren heim. Ein Überfall auf Köln (bei Adam von Bremen) ist allerdings zweifelhaft. Früheste Verwendung von Pferden (statt Menschen - oder Ochsen?) beim Treideln (Ziehen von Schiffen flußaufwärts) nachgewiesen. Vielleicht gab es vorher kein geeignetes Zuggeschirr. |
| 840 |
Vor 840 (in der 30er Jahren): In Fulda wird das 'Hildebrandslied' aufgezeichnet. Es ist das einzige erhaltene Zeugnis germanischer Heldensage in der deutschen Literatur. (Oder schon früher) 'Ähnliche Lichtstreifen erschienen zwei Nächte hindurch, wie die, welche im vorigen Jahr gesehen wurden. Und am 3. Mai, d. i. am dritten Tage der Litaneien, in der neunten Stunde war eine Sonnenfinsternis, und die Sterne sind deutlich am Himmel erblickt worden wie bei Nachtzeit.' [Xantener Annalen] Die Fuldaer Annalen nennen Dorestad ein Lehen der Wikinger. Letztere suchen kaum noch Friesland heim, das sich möglicherweise bis zum Ende des Jahrhunderts in ihrem Besitz befindet. Ludwig der Fromme stirbt. Sein ältester Sohn Lothar kehrt aus Italien zurück und versucht, Kaiser des ganzen Frankenreiches zu werden. Eine arabische Quelle berichtet von der Sichtung von Wikingerschiffen im Mittelmeer, die wie 'dunkelrote Seevögel' aussehen. Ca.: Der unter Hraban angelegte - leider nur in Fragmenten erhaltene - Buchkatalog des Klosters Fulda dürfte schätzungsweise etwa 400 Bände umfaßt haben. Vergleichszahlen von Schriften: Von Augustinus: Fulda 23, Reichenau 18, St. Gallen 34, Lorsch 98 |
| 841 |
'In demselben Jahre, am Donnerstag den 28. Juli bei heller Sonne, zeigen sich drei Ringe am Himmel, ähnlich dem Bilde eines Bogens, der eine um den anderen |
| 842 |
Straßburger Eide: Ältestes Sprachdenkmal der althochdeutschen und altfranzösischen Sprache, in welchem Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle ihr Bündnis bekräftigen, nachdem sie Lothar besiegt haben. [Es ist aber verfrüht, bereits von Deutschland und Frankreich zu sprechen.] Wikinger verwüsten Quentovic an der fränkischen Küste. Der Chronist Neithart berichtet von Mannschafts-Kampfspielen bei den Franken, vielleicht ein Vorläufer des Turniers. Es stirbt Abt Hrabanus Maurus von Fulda. |
| 843 |
Juni: Eine Wikingerflotte aus '67 Wimpeln' greift Nantes an und metzelt die Bevölkerung nieder, die gerade das Johannisfest feiert. Im Vertrag von Verdun wird das Frankenreich geteilt. Karl erhält den Westen, Ludwig der Deutsche den Osten und Lothar Italien und einen Streifen in der Mitte. Jedes Teilreich bezeichnet sich fortan mit 'Francia', der bisherigen Bezeichnung des Gesamtreiches. 'Ludewich [ging] nach Sachsen, und die übermütig aufgeblasenen Knechte der Sachsen schlug er vornehm nieder und führte sie zu ihrer eigentlichen Natur zurück.' [Xantener Annalen] |
| 844 |
'Der Winter war bis zum Anfang des Februar sehr weich und durch eine gewisse Milde gemäßigt.' [Annalen von St. Bertin] Dänische Wikinger unternehmen Raubzüge nach Asturien und Portugal. Raubzüge der Wikinger an den Ufern der Garonne. Wie bereits im letzten Jahr leisten hier wahrscheinlich Angehörige des fränkischen Regionaladels Lotsendienste. Lupus von Ferrières, selbst ein Handschriftensammler, dem wir u.a. die Überlieferung von Ciceros 'De re publica' verdanken und der zu Kopierzwecken einen eigenen Leihverkehr von Handschriften aufgebaut hat, sucht über Prüm die zwei in Fulda befindlichen Bände Suetons zu gewinnen. 845 |
| 846 |
'Um diese Zeit wurde ein junger Mensch dabei betroffen, wie er mit einer Stute Unzucht trieb, und nach dem Urteil der Franken lebendig verbrannt. (...) Im Monat Mai dieses Jahres fiel ein solches Übermaß von Regengüssen bei der Stadt Alciodorum, daß die Flut, durch die Wände dringend, selbst die mit Wein gefüllten Fässer in die Icauna fortführte, ja was noch wunderbarer, daß ein Stück Weinland mit dem Erdreich, den Weinstöcken, den Bäumen, so wie es war, ganz und vollständig von einem Ufer der Icauna auf das andre versetzt wurde, so als ob es da immer seine natürliche Stelle gehabt hätte.' [Annalen von St. Bertin] (In Wahrheit dürfte hier wohl der Fluß seinen Lauf geändert haben, wie das naturbelassene Flüsse zuweilen tun.) |
| 847 |
Die Wikinger schließen Bordeaux ein. Konzil zu Mainz. Hrabanus Maurus wird Erzbischof von Mainz (bis 856). Er errechnet als Summe des für alle Pfarreien befohlenen Fürbittegebets für Ludwig den Deutschen samt Gattin und Sippe 3500 Messen und 1700 Psalter. |
| 848 |
'Am 4. Februar gegen Abend blitzte es und wurde Donner gehört, und die Heiden, wie sie es gewohnt waren, schädigten die Christen. In demselben Jahre hielt König Ludewich eine Volksversammlung bei Mainz |
| 849 |
Es stirbt der Reichenauer Abt Walahfrid Strabo. In seinem 'Vademecum' hat er ein altsächsisches Runen-Merkgedicht (Abecedarium Normannicum) aufgezeichnet. 'In Gallien erfolgte in der Nacht nach dem 17. Februar, während die Geistlichen Gott ihre nächtlichen Gebete darbrachten, ein starker Erdstoß, ohne daß jedoch Gebäude einstürzten. Godesscalk, ein Gallier, Mönch im Kloster Orbacum im Sprengel von Suessiones und Presbyter, wegen seiner Kenntnisse aufgeblasen und gewissen abergläubischen Meinungen ergeben, war unter dem Schein der Frömmigkeit nach Italien gegangen, und hatte sich, von hier schimpflich verjagt, nach Dalmatien, Pannonien und Noreja begeben, indem er in vergifteten Reden und Schriften viele unserer Heilslehre ganz widersprechende Sätze, besonders über die Prädestination, aufstellte. In Gegenwart Hludowichs, Königs der Deutschen, durch das Konzil der Bischöfe entlarvt und überführt, wurde er gezwungen, nach der Metropole seiner Diözese, der Stadt Durocortorum der Remer, welcher der ehrwürdige Herr Ingmar vorsteht, zurückzukehren, um daselbst die seiner Untreue würdige Strafe zu empfangen. Und Karl, ein eifriger Pfleger der heiligen Kirche Gottes, berief eine Versammlung der heiligen Bischöfe der genannten Diözese, und ließ ihn vor dieselben führen |
| 850 |
'Am1. Januar, d. i. den Octaven des Herrn, an demselbigen Tage gegen Abend wurde großer Donner gehört und ein gewaltiger Blitz gesehen, und eine Überschwemmung der Gewässer schlug in diesem Winter das Menschengeschlecht. Und im folgenden Sommer verbrannte allzugroße Sonnenhitze die Erde.' [Xantener Annalen] 'In diesem Jahre drückte schwere Hungersnot die Völker Germaniens, vornehmlich die um den Rhein wohnenden |
| 851 |
Die Wikinger brennen London und Canterbury nieder. |
| 852 |
Reichstag zu Erfurt. Erzbischof Hincmar von Reims macht in einem Kapitular seine Kleriker darauf aufmerksam, daß sie beim Leichenschmaus weder Gelächter noch Gesang zulassen sollen. Ebenso ist zu verbieten: der Vortrag von Geschichten, Auftritte von Bärenführern und Gauklerinnen sowie das Zeigen von Teufelsmasken. 'Das Eisen der Heiden wurde brennender |
| 853 |
'Große Hungersnot in Sachsen, so daß viele sich von Pferden nährten.' [Xantener Annalen] Die Wikinger brennen St. Martin in Tours, das Nationalheiligtum der Franken nieder. |
| 854 |
Ludwig der Deutsche bezieht eine Pfalz im - hier erstmals erwähnten - Ulm ('Hulmam palatio regio'). |
| 855 |
Mittelfränkisches Reich: Lothar stirbt |
| 856 |
'Der Winter war sehr hart und trocken |
| 857 |
Erster Bericht über das epidemische Auftreten der Kriebelkrankheit (Antoniusfeuer), verursacht durch Mutterkorn, besonders in Westeuropa. Wikinger plündern zum zweitenmal Paris. Es verstirbt (wohl in Andalusien) der arabische Musiker und 'Kulturapostel' Ziryab. (Vgl. 822) |
| 858 |
'Am 1. Januar, als die Frühmesse gehalten war, ereignete sich bei Worms ein einmaliges Erdbeben, und bei Mainz ein dreizehnmaliges vor Tagesanbruch.' [Xantener Annalen] |
| 859 |
Dänische Wikinger aus der Bretagne dringen mit 62 Booten ins Mittelmeer ein und plündern dort drei Jahre lang. Ihr Anführer ist der Seekönig Hasting, der gerne seinen Sohn Björn Eisenseite als römischen Kaiser sähe. Sie verwüsten Algeciras, kurz auch an der Küste Marokkos, Mallorca und die Pityusen, dann setzen sie sich im Rhonedelta fest, von wo aus sie bis Valence fahren. Später plündern sie Pisa, Fiesole und Luna, das sie für Rom halten. Auf dem Rückweg geraten sie in der Biskaya in einen Sturm, den nur 17 Schiffe überstehen. Dennoch gehen sie in Pamplona an Land und nehmen dem Gouverneur 30000 Denare ab, bevor sie nach Nantes zurückfahren. Die Beute besteht u.a. aus maurischem Sattelzeug, arabischen Gewändern und dunkelhäutigen Sklaven. Fränkische Bauern, die sich gegen die Wikinger erhoben haben, werden von fränkischen (!) Kriegern niedergemacht. Offenbar wird hier mit den Wikingern kollaboriert. |
| 860 |
'Der Winter war lang, und bei fortwährendem Schnee und Frost hart, und zog sich vom Monat November bis zum April hin.' [Annalen von St. Bertin] 'In diesem Jahr war ein sehr langer Winter.' [Xantener Annalen zum Jahr 861] Norweger entdecken Island. Roskilde auf Seeland erstmals erwähnt. |
| 861 |
Paris wird zum dritten Mal von Wikingern geplündert. Prüm erhält für seinen Hof Rommersheim Marktrecht und Münzprivileg |
| 862 |
'In demselben Jahre war der Winter stürmisch, veränderlich und sehr regnerisch, fast ganz ohne Eis...' [Xantener Annalen zum Jahr 863] Von diesem Jahr an fallen nomadisierende Gruppen von Ungarn in die Grenzgebiete des ostfränkischen Reiches ein. |
| 863 |
Erzbischof Hincmar von Reims beantwortet in einem Werk namens 'De divortio Lotharii Regis et Tetbergae Reg.' 30 Fragen und bejaht z.B., daß es Hexen gebe, die Liebe oder Haß zwischen Ehegatten oder Impotenz stiften können und leitet diese Macht vom Teufel ab. Er erklärt das Nestelknüpfen, wenn geistliche Mittel nicht gegen dessen Folgen helfen, für einen gültigen Scheidungsgrund. [Die Ehescheidung ist noch eine ganze Weile lang üblich!] 'Bei der ungeheuren Anschwellung der Gewässer kamen die schon oft genannten Heiden, überall die Kirchen zerstörend, das Bett des Rheinflusses herauf bis Sancten und plünderten den so berühmten Ort. Und zum übergroßen Schmerz aller die es hörten und sahen, verbrannten sie die Kirche des heiligen Victor, ein wundersames Bauwerk |
| 864 |
Auf einem Reichstag verbietet Karl der Kahle den Franken bei Todesstrafe, den Wikingern Pferde und Waffen zu verkaufen. Wikinger zerstören Dorestad. |
| 865 |
'Im Monat Januar ereignete sich eine Mondfinsternis.' [Xantener Annalen zum Jahr 866] Karl der Kahle wertet den Silberdenar ab: Aus einem Pfund Silber (ca. 490 Gramm) werden nun nicht mehr wie bisher 240 Münzen geprägt, sondern deren 264. Man rechnet aber weiterhin das Pfund zu 240 Denaren. Dies bewirkt eine Trennung des Gewichtspfundes vom rechnerischen Pfund. In einem langobardischen Urteil wird (für Mailand) erstmals eine Gerichtslaube (laubia) erwähnt. |
| 868 |
'Im Monat Februar wurde bei dunklem Regengewölk in der Luft mehrfach Donner gehört, und am 15. Februar, d. i. in der heiligen Nacht Septuagesimae, wurde ein Kometstern im Norden und Westen erblickt, welchem sogleich ein ungeheurer Sturm und unermeßliche Ueberschwemmung gefolgt ist |
| 869 |
In Meaux (Ile de France) ist ein Lied auf den heiligen Faro bezeugt, in dessen Kontext ein Reigen von Frauen beschrieben wird, die zugleich zum Tanze singen. |
| 870 |
Winter: Der Norweger Ingolf erreicht Island und siedelt sich dort an (nach dem Landnamabok). Gründung des Kanonissenstiftes Gerresheim durch einen fränkischen Adligen namens Gerrich (heute im Stadtgebiet von Düsseldorf). |
| 872 |
Tod von Abt Grimald von St. Gallen. Zusammen mit Hartmuot hat er die Zahl der Bücher des Klosters von 284 auf 428 Bände vermehrt. |
| 873 |
'Zu derselben Winterszeit entstand unverhofft eine Überschwemmung durch Schneeschmelze, zumeist an den Ufern des Rheinflusses. Durch das Anschwellen vieler Gewässer ging eine Menge Mensch | |